Dienstag, 21. September 2021

Epidemie-Lage in Deutschland Alle Daten, alle Fakten zum Coronavirus

Belastungsprobe für das Gesundheitssystem: Wie gut kann Deutschland mit dem Coronavirus-Ausbruch umgehen?

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Abwärtstrend bei den neu gemeldeten Coronafällen in Deutschland hält an. Bei den neu registrierten Todesfällen wird der höchste Wert seit Ende Juni verzeichnet. Die aktuelle Lage im Überblick.

Deutschland befindet sich mitten in der vierten Corona-Welle. Zuletzt sanken die Infektionszahlen wieder. Sie bleiben insgesamt aber auf hohem Niveau. Laut aktuellen Daten hält der jüngste Abwärtstrend zu Wochenbeginn noch an. Es könnte sich aber eine Plateauphase abzeichnen, sowohl bei den neu registrierten Coronafällen als auch bei den Covid-Intensivfällen.

Forderungen nach einem so genannten "Freedom Day" im Oktober, also dem Ende aller Schutzmaßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Virus hierzulande, sorgen beim Gros der Experten für Kopfschütteln und Ablehnung. Statt eine baldige Entspannung befürchten viele Wissenschaftler und Forschungsinstitutionen wie das Robert-Koch-Institut (RKI) eine baldige Verschärfung der Situation. Sie prognostizieren für den Herbst ein erneutes deutliches Anziehen der täglichen Neuinfektionen, da die Impfquoten in Deutschland unverändert viel zu langsam steigen.

Daran hat auch die von der Bundesregierung initiierte "Impfwoche" in der am Sonntag beendeten Kalenderwoche 37 wenig geändert, wie eine n-tv.de Bilanz zeigt. Selbst mit den zu erwartenden Nachmeldungen wird die "Impfwoche" der erlahmten Impfkampagne kaum den nötigen Schub verliehen haben, den sich die Politik erhofft hatte. Denn würde sich der prozentuale Zuwachs bei den mindestens einmal Geimpften im Tempo der Impfwoche fortsetzen, wären erst Ende Januar 2022 rund 80 Prozent der Bevölkerung mit mindestens einem teilweisen Impfschutz versehen.

An dieser Stelle fasst ntv.de mit Grafiken zusammen, was über das aktuelle Infektionsgeschehen bekannt ist und ordnet die Zahlen ein.

Hinweis: Karten und Infografiken werden laufend aktualisiert.

Die Fallzahlen des Tages nach Angaben der Bundesländer

Zunächst die Fallzahlen des Tages: Wie aus den von ntv.de ausgewerteten Angaben der Landesbehörden hervorgeht, ist die Gesamtzahl der in Deutschland seit Beginn der Pandemie erfassten Corona-Fälle bis Dienstagabend auf insgesamt 4.154.139 laborbestätigte Ansteckungen gestiegen. Das sind 6852 Fälle mehr als am Vorabend.

Damit hat sich das Meldeaufkommen an diesem Dienstag im Vergleich zum Vorwochenwert um 21,5 Prozent verringert. Am 14. September waren den Landesbehörden 8733 Fälle neu übermittelt worden.

Anstieg bei den Sterbefällen

Im Verlauf des Tages wurden bundesweit außerdem 86 Todesfälle neu an die zuständigen Behörden der Länder übermittelt. Das ist der höchste Wert seit dem 24. Juni 2021, als es sogar 101 neue Todesfälle gewesen waren. Am vergangenen Dienstag waren 68 Sterbefälle gezählt worden. Seit Pandemie-Beginn sind in Deutschland nach amtlicher Zählung bisher insgesamt 93.064 Menschen im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben.

Da die täglich gemeldeten Zahlen je nach Wochentag stark schwanken können, lohnt sich ein Blick auf das Wochenmittel, also einen Durchschnittswert der letzten sieben Tage. Dieser ist in den vergangenen Wochen kontinuierlich auf inzwischen 53 Sterbefälle pro Tag gestiegen. Ende Juli lag der Durchschnitt noch bei deutlich unter 20.

Bei der Auswertung der Datenlage greift ntv.de auf die Angaben der Gesundheitsbehörden und Ministerien der Länder zurück. Dort werden die Zahlen - unabhängig von den formellen Meldewegen des Infektionsschutzgesetzes - im Tagesverlauf aktualisiert und erreichen die Öffentlichkeit so schneller als über die amtliche RKI-Statistik. Deshalb liegen die Fallzahlen bei ntv.de am Abend in der Regel über den vom RKI ausgewiesenen Werten.

R-Wert zeigt Infektionsdynamik an

Den R-Wert schätzt das RKI am Montag auf 0,84 (Vortag: 0,88). Damit bleibt er unter der kritischen Marke von 1,0. Das bedeutet, dass jeder Infizierte im Durchschnitt weniger als eine weitere Person ansteckt - das Infektionsgeschehen nimmt ab.

Der R-Wert, oder auch Reproduktionsfaktor, gibt einen Hinweis auf die aktuelle Dynamik im Infektionsgeschehen. Liegt der Wert über 1, gibt es einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen. Es handelt sich bei den aktuellen Angaben allerdings um Schätzungen, die vom RKI nachträglich korrigiert werden, wenn neue Daten vorliegen. Außerdem sieht man deutlich, dass der R-Wert den typischen Wochenschwankungen unterliegt - ein statistisches Artefakt des Meldesystems.

Aktuelle Labordaten aus dem RKI-Wochenbericht

Die sich abschwächende Infektionsdynamik zeichnet sich derweil auch an der Laborfront ab. Die aktuellsten Labordaten des RKI weisen in der 36. Kalenderwoche (6. bis 12. September) mit 7,99 Prozent eine deutlich niedrigere Positivenquote auf als wie in der Vorwoche (8,56 Prozent). Zum Höhepunkt der Pandemie in Deutschland kamen mehr als zehn Prozent der Abstriche mit einem positiven Ergebnis zurück.

Die Positivenquote gibt den Anteil der positiven Ergebnisse an der Zahl der durchgeführten Tests wieder. Dabei gilt eine Zahl im niedrigen einstelligen Bereich als erstrebenswert. Ein höherer Anteil an positiven Ergebnissen spricht für eine hohe Dunkelziffer, das heißt, es bleiben viele Infektionen unerkannt.

Zwar werden in Deutschland weiterhin sehr viel weniger PCR-Tests durchgeführt, als möglich wäre. Das Testgeschehen hat aber wieder zugelegt. Zuletzt meldete das RKI 991.366 Tests, von denen 79.202 positiv waren. In der Vorwoche waren es 945.676 Abstriche, die zu 81.825 positiven Befunden führten.

Trendanzeige aus den Bundesländern

Das Infektionsgeschehen in den einzelnen Bundesländern zeigt derzeit keinen einheitlichen Trend. Wie auch schon zu Beginn der Pandemie scheinen die ostdeutschen Bundesländer zunächst weniger stark betroffen zu sein als der Westen. Im Inzidenz-Vergleich zeigt sich außerdem ein Nord-Süd-Gefälle.

In den Hotspot-Regionen sehen sich die Gesundheitsämter erneut mit einer Phase enormer Belastungen konfrontiert. In vielen Fälle können die Ansteckungswege bereits nicht mehr zurückverfolgt werden, heißt es. Am stärksten betroffen sind fast überall die jüngeren Altersgruppen. Kinder und Jugendliche werden in den Schulen und Kindertagesstätten regelmäßig getestet, dadurch fallen Infektionen hier vielleicht eher auf.

Holpriger Start für die Hospitalisierungsinzidenz

Insgesamt lag das Fallaufkommen im Sommer 2021 deutlich über dem Niveau des Vorjahres um diese Zeit. Dank der Impfungen gibt es jedoch - anteilig an den Infektionen - weniger ernsthafte Erkrankungen. Die früheren Schwellenwerte bei der Sieben-Tage-Inzidenz wurden daher aus den Infektionsschutzverordnungen gestrichen oder durch andere Kennzahlen ergänzt.

Insbesondere die Lage in den Krankenhäusern soll künftig in die Situationsbewertung einfließen. Zu diesem Zweck wurde die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz als neuer “Leitindikator” eingeführt. Sie gibt die Zahl der als hospitalisiert gemeldeten Covid-19-Fälle innerhalb von sieben Tagen je 100.000 Einwohner an.

Bereits seit Juli veröffentlicht das Robert Koch-Institut eine bundesweite Hospitalisierungsinzidenz in seinem werktäglich erscheinenden Situationsbericht. Bei diesen Angaben gibt es allerdings einen erheblichen Meldeverzug (mehr dazu hier). Eine wöchentlich aktualisierte Trendlinie zeigt, wie sich die Hospitalisierungsinzidenz im Gesamtverlauf der Pandemie entwickelt hat. Die Kurve zeigt im Rückblick einen auffallend ähnlichen Verlauf wie die Sieben-Tage-Inzidenz.

Die Hospitalisierungsinzidenz, zumindest in ihrer bisherigen Form, hat einen großen Nachteil: Die tagesaktuelle Lage lässt sich damit nicht abbilden. Die meisten Fälle gehen erst mit deutlicher Verzögerung in die Statistik ein.

Es bleibt den Ländern überlassen, wie sie den neuen Indikator in ihre Strategie einbetten, welche Grenzwerte sie fest setzen oder welche Maßnahmen sie daran knüpfen. Wie die Umsetzung in der Praxis aussehen wird, muss sich vielerorts erst noch zeigen. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht.

Sieben-Tage-Inzidenz bleibt wichtig

Vor diesem Hintergrund bleiben Kennzahlen wie die Inzidenzwerte weiterhin wichtig. Sie können als Frühwarnsystem dienen und dazu führen, dass Bürgerinnen und Bürger ihr Verhalten entsprechend der Gefahrenlage anpassen. Auch Krankenhäuser können sich unter Berücksichtigung der tagesaktuellen Daten besser personell auf eine ansteigende Zahl an Covid-19-Patienten einstellen.

"Die Sieben-Tage-Inzidenz ist (...) weiter wichtig, um die Situation in Deutschland zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren", fasst das Robert-Koch-Institut (RKI) die Einschätzung der Fachleute zusammen. "Generell gilt: Je mehr Fälle auftreten, desto mehr schwere Verläufe (Krankenhauseinweisungen) und Todesfälle werden - mit etwas Zeitverzug - registriert. Gleichzeitig steigt die Belastung des Gesundheitssystems. Eine steigende Sieben-Tage-Inzidenz geht dieser Entwicklung voraus. Es ist der früheste aller Indikatoren."

Unklar ist, welche Vorkehrungen im Fall weiter steigender Inzidenzwerte getroffen werden müssen. Das Coronavirus breitet sich derzeit vor allem unter ungeimpften Erwachsenen und den Kindern aus, für die es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt, wie auch die tagesaktuelle Auswertung von ntv.de zeigt (Link zur Grafik). Langfristig lässt sich kaum verhindern, dass das Infektionsgeschehen auch zu den älteren Bevölkerungsgruppen und Risikopatienten "durchsickert".

Für Ungeimpfte wird es ungemütlich

Bund und Länder streben dennoch eine weitgehende Aufhebung der Kontaktbeschränkungen und Hygienevorschriften an - zumindest für Menschen, die bereits geimpft sind oder eine Infektion durchgemacht haben.

Laut Gesundheitsminister Jens Spahn soll es für Geimpfte und Genesene selbst im Fall von Sieben-Tage-Inzidenzen über 100, 200 oder 500 keine flächendeckenden Lockdown-Maßnahmen mehr geben.

Die Politik hofft, durch Lockerungen für Geimpfte und Einschränkungen und Ungeimpfte die richtigen Anreize zu setzen und die Impfquote zu steigern. Eine Impfpflicht soll es hierzulande jedenfalls nicht geben.

Zur Höhe der anvisierten Impfquote kursieren verschiedene Zielvorgaben. Schon im Juli hatte das Robert Koch-Institut (RKI) beispielsweise in Modellrechnungen dargelegt, dass eine hohe Impfquote bei den 18- bis 59-Jährigen den Verlauf der vierten Welle deutlich abmildern könnte. Doch eine Impfquote von 85 oder sogar 95 Prozent in den relevanten Altersgruppen kann so schnell nicht mehr erreicht werden.

Geht der Impfkampagne die Luft aus?

Seit dem Sommer bleibt der Erfolg der Impfkampagne hinter den Erwartungen zurück. Obwohl in Deutschland inzwischen kein Impfstoffmangel mehr herrscht, hat das Impftempo zuletzt deutlich nachgelassen. Auch niedrigschwellige Angebote und “Pop-up-Impfungen” konnten bislang wenig daran ändern.

Nur etwa 70 Prozent der Bevölkerung im impffähigen Alter sind vollständig geschützt. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sieht es um den Immunschutz in Deutschland noch viel schlechter aus.

Portugal und Spanien haben es unterdessen geschafft, gut 80 Prozent der Bevölkerung von den Vorteilen einer Impfung zu überzeugen.

Die Bundesregierung setzt weiter auf Eigenverantwortung - und sie betont: Den Menschen, die eine Impfung ablehnen, müsse klar sein, dass sie sich im weiteren Verlauf der Pandemie sehr wahrscheinlich mit dem Coronavirus anstecken werden und sich dem Risiko einer schweren Erkrankung aussetzen.

Wochenbericht: Infizierte und Hospitalisierte werden immer jünger

Vor allem unter den jüngeren Menschen im impffähigen Alter sind noch etliche ungeimpft. Gleichzeitig verbreitet sich das Virus hier besonders schnell. Das bestätigt auch der jüngste Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Infektionen werden aber mit dem Anschwellen der vierten Welle auch immer weiter in höhere Altersgruppen durchgereicht. Fast keine der vom RKI ausgewiesenen Gruppen unter 50 kann noch Sieben-Tage-Inzidenzen unter 100 vorweisen.

Schon im vergangenen Sommer waren vor allem Jüngere für den Großteil der Infektionen verantwortlich, bevor dann im Verlauf der zweiten Welle das Virus immer öfter auch auf Ältere übersprang.

Die Altersstruktur der Infizierten spielt eine wichtige Rolle bei der Bewertung der aktuellen Lage. So geht man beispielsweise davon aus, dass eine Coronavirus-Infektion bei jüngeren Menschen seltener zu einem schweren Krankheitsverlauf oder zum Tod führt. Doch die Behandlung zieht sich unter Umständen länger hin. Viele Betroffene leiden - selbst nach einem sogenannten "milden" Verlauf - noch lange an den Folgeschäden ihrer Infektion.

In den RKI-Daten zeichnet sich bei der Altersstruktur der Infizierten und schwer Kranken ein klarer Trend ab: Seit Jahresbeginn sanken sowohl der Altersmedian aller registrierten Corona-Fälle, als auch der der hospitalisierten Fälle um 20 Jahre oder mehr.

Für die Corona-Fälle sank er von 48 auf 29 Jahre, für die ins Krankenhaus eingewiesenen Viruspatienten sogar von 77 auf 52 Jahre. Aufgrund der schrumpfenden Grundgesamtheit (es werden insgesamt weniger Betroffene ins Krankenhaus gebracht), können hier von Woche zu Woche größere Schwankungen auftreten.

Berichte von jungen, ehemals gesunden Menschen auf der Intensivstation machen besonders betroffen. Zugleich deutet das gesunkene Durchschnittsalter der Hospitalisierten auf einen klarer Erfolg der Impfkampagne hin, durch die viele ältere Menschen vor schweren Erkrankungen geschützt werden konnten.

So ist die Lage auf den Intensivstationen

Das Divi-Intensivregister gibt in seinen täglichen Lageberichten einen Einblick in die Situation auf den deutschen Intensivstationen. Ein Abgleich der Zahlen mit dem Verlauf der Sieben-Tage-Inzidenz macht schnell deutlich: Eine hohe Impfquote kann offensichtlich zahlreiche schwere Erkrankungen verhindern - aber eben nicht alle. Es besteht immer noch ein deutlicher, zeitlicher Zusammenhang zwischen den Infektionsraten und der Zahl der Krankenhauseinweisungen.

Dabei ist nur zu beachten, dass die Kennzahlen der Kliniken, also Neuaufnahmen und Intensivbettenbelegung, den Infektionsmeldungen in der Regel mit zwei bis drei Wochen Verzögerung folgen.

Wochenbericht: Die Delta-Variante dominiert

Das aktuelle Infektionsgeschehen in Deutschland steht nahezu vollständig unter dem Einfluss der Delta-Variante. Das zeigen die Auswertungen des RKI. Laut dem aktuellen Wochenbericht ist der Anteil der Delta-Variante am Infektionsgeschehen zuletzt von 99,7 auf 99,9 Prozent gestiegen. Die Angaben beziehen sich dabei noch auf Daten aus der Kalenderwoche 35, die am 5. September zu Ende gegangen ist.

Mit dem Aufkommen der ansteckenderen Delta-Variante hatte die Pandemie eine neue Dynamik entwickelt. Das spiegelte sich zeitweise auch im R-Wert wieder. Dieser lag trotz der noch immer geltenden Maßnahmen wie Maskenpflicht, Abstandsregeln und Hygieneauflagen von Ende Juli bis Ende August fast durchgängig über der kritischen Marke von 1,0.

Epidemiologen und Mediziner gehen davon aus, dass sich die Delta-Variante so rasch durchsetzen konnte, weil sie ansteckender ist und sich so schneller und effektiver ausbreitet. Binnen weniger Wochen hat diese Variante damit alle übrigen Sars-CoV-2-Erreger aus dem Feld verdrängt. Das muss nicht so bleiben: Es gibt keine Garantie, dass nach Delta nicht noch weitere Virus-Varianten mit vielleicht noch ganz anderen Eigenschaften in Deutschland auftreten.

Mit Blick auf die verbliebenen Impflücken in den Industriestaaten und den riesigen Impfdefiziten in Schwellen- und Entwicklungsländern scheint es nur eine Frage der Zeit, bis weitere "Besorgnis erregende Coronavirus-Varianten" (VOC) auf dem Radar auftauchen.

Vor allem für die Risikogruppen wäre es wichtig, sich bald durch eine abgeschlossene Corona-Schutzimpfung gegen den Erreger zu wappnen.

Wie gefährlich ist Covid-19 für Kinder?

Zwar kann es zu Impfdurchbrüchen kommen, also zu Coronavirus-Infektionen trotz vollständiger Schutzimpfung. Doch mit steigender Impfquote werden schwere Krankheitsverläufe seltener. Das Virus verliert seinen Schrecken - und wird endemisch. Das bedeutet auch: Langfristig wird sich wahrscheinlich nahezu jeder in Deutschland mit Sars-CoV-2 anstecken - möglicherweise auch mehrmals.

Für Kinder und Jugendliche gilt Covid-19 als weniger gefährlich. Ganz ohne Risiko ist eine Infektion jedoch nicht. RKI-Chef Wieler warnte davor, die Gefahr zu unterschätzen. Auch wenn es bei infizierten Kindern meist weniger schwere Krankheitsverläufe gebe, zeigten Studien, dass auch hier sogenannte Long-Covid-Symptome auftreten könnten. Dazu gehörten Atem-, Konzentrations- und Erschöpfungsprobleme, sagte Wieler.

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Eine Durchseuchung der jüngeren Altersgruppen könnte vor diesem Hintergrund schnell zum Problem werden: Kinder unter 12 Jahren können in Deutschland bisher noch überhaupt nicht geimpft werden. Für Kinder und Jugendliche über 12 hingegen ließ die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) am 28. Mai den Impfstoff von Biontech/Pfizer zu. Am 23. Juli erfolgte die Zulassung für den mRNA-Impfstoff von Moderna.

Erst im August hat sich auch die Ständige Impfkommission (STIKO) für eine generelle Impfung 12- bis 17-Jähriger ausgesprochen. Davor sollten lediglich Kinder mit Vorerkrankungen geimpft werden. Begründet wurde dies damit, dass zu wenige Daten zu den Risiken einer Impfung gegenüber einer Covid-19-Erkrankung bei Kindern vorlägen.

Lehren aus der Pandemie

Gerade wenn es um den Schutz der Kinder geht, werde Debatten um die richtigen Corona-Maßnahmen oft erbittert geführt. Der Ausgleich verschiedener Interessen bleibt auch im zweiten Jahr der Pandemie ein schwieriger Balanceakt. Und trotz der verfügbaren Impfungen verursacht das Coronavirus noch immer Krankheit und Leid, wirtschaftlichen Schaden und gesellschaftliche Verwerfungen.

Doch immerhin scheint ein Ende der Gesundheitskrise nun in Sicht. Wie schnell es näher rückt, hängt zumindest derzeit noch vor allem von der Impfbereitschaft der erwachsenen Bevölkerung ab.

Das ändert sich vielleicht schon bald: Laut dem Hersteller des Biontech-Vakzins könnte eine speziell für Kinder entwickelte Version des Impfstoffes noch in diesem Jahr auf den europäischen Markt kommen. Das Zulassungsverfahren läuft bereits.

Deutschland hat sich gegen eine sogenannte No- oder Zero-Covid-Strategie entschieden, wie sie beispielsweise in China mit zum Teil drastischen Mitteln durchgesetzt wird. Stattdessen gilt es, das Infektionsgeschehen so weit zu kontrollieren, dass eine Überlastung des Gesundheitssystem abgewendet wird. “Flatten the Curve” - die Welle flach halten - so lautete etwa das Motto der ersten Infektionswelle.

Die Erfahrung hat seither hat gezeigt: Das Virus lässt sich aufhalten. Das Verhalten der breiten Öffentlichkeit und das Verhalten jedes Einzelnen entscheiden, wie viele Chancen sich dem Erreger bieten.

Hinweis: Alle Karten, Daten und Infografiken zur internationalen Pandemie-Lage mit Detailstatistiken zu diversen Ländern finden Sie hier in diesem Überblicksbeitrag.

Quelle: ntv.de , mit Material von dpa, rts und AFP

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