Mittwoch, 06. Oktober 2021

Frankreichs Katholiken geschockt Bischöfe wollen Opfer mit Spenden abfinden

März-Treffen der französischen Bischofskonferenz in Lourdes. Seit dem Bericht der Missbrauchskommission ist das Gremium im Krisenmodus.

(Foto: picture alliance / Hans Lucas)

Anders als in Deutschland ist die katholische Kirche in Frankreich auf Spenden angewiesen. Nun kündigt die Bischofskonferenz an, dass die erschreckend hohe Zahl an Missbrauchsopfern auch mit diesem Geld entschädigt werden soll. Die Untersuchungskommission hatte davon strikt abgeraten.

Die katholische Kirche in Frankreich setzt bei der Entschädigung von Missbrauchsopfern auch auf Spenden von Gläubigen. "Ich hoffe, dass eine gewisse Zahl von Gläubigen uns helfen wird", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz Eric de Moulins-Beaufort dem Sender France Inter. Damit weist er die Empfehlung einer Untersuchungskommission zurück, Entschädigungen ohne den Rückgriff auf Spendengelder zu zahlen. Die Kommission hatte am Dienstag ihren Bericht über Missbrauchszahlen in der Katholischen Kirche Frankreichs vorgelegt.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz verwies darauf, dass die Bischöfe bereits im März eine "finanzielle Beteiligung" in Höhe von fünf Millionen Euro vorgesehen hatten. Die katholische Kirche in Frankreich ist anders als die Kirche in Deutschland auf freiwillige Spenden der Gläubigen angewiesen, da es keine Kirchensteuer gibt.

Auch der Forderung der Kommission nach einer Lockerung des Beichtgeheimnisses erteilte der Erzbischof von Reims eine Absage. "Das Beichtgeheimnis ist stärker als die Gesetze der Republik", sagte de Moulins-Beaufort. Die Kommission hatte empfohlen, Priestern, die während des Bußsakraments etwas über Missbrauchsfälle erfahren, die Anzeige der mutmaßlichen Täter zu erleichtern.

Schockwellen nach Bericht: Bis zu 330.000 Betroffene

Die hohe Zahl der Missbrauchsopfer hatte Schockwellen in der katholischen Kirche ausgelöst. Nach dem Bericht der Untersuchungskommission wurden in Frankreich rund 216.000 Minderjährige zwischen 1950 und 2020 Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Die Zahl der Opfer steigt dem Bericht zufolge auf 330.000, wenn Angreifer hinzugerechnet werden, die als Laien in Einrichtungen der katholischen Kirche arbeiteten, etwa an Schulen oder in Jugendgruppen.

Zuvor zeigte sich Papst Franziskus beschämt über das Ausmaß des Problems in Frankreich. "Ich möchte den Opfern meine Traurigkeit ausdrücken, (...) und meine Scham, dass die Kirche zu lange unfähig war, sich um sie zu kümmern", sagte er während seiner Generalaudienz im Vatikan. Bereits am Vortag hatte sein Sprecher kurz nach der Veröffentlichung des Berichtes vom "unermesslichen Schmerz" des Papstes gesprochen.

Quelle: ntv.de , mau/AFP

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