Donnerstag, 05. November 2020

Mutiertes Coronavirus übertragen Dänemark riegelt Nerz-Kommunen ab

Dänemarks Regierungschefin Frederiksen sieht sich zu einem drastischen Schritt genötigt: Für die Region Nordjütland wird ein Lockdown erlassen. In dem Gebiet war bei Nerzen eine mutierte Form des Coronavirus festgestellt worden. Mehrere Menschen haben sich bereits angesteckt.

Aus Sorge vor einer Ausbreitung einer bei Nerzen aufgetretenen Mutation des Coronavirus erlässt die dänische Regierung weitreichende Beschränkungen in der Region Nordjütland. In sieben Kommunen wird der öffentliche Nahverkehr eingestellt, die knapp 280.000 Einwohner werden eindringlich aufgefordert, in ihrer jeweils eigenen Kommune zu bleiben. Schüler der fünften bis achten Klasse sollen ab Montag aus der Ferne unterrichtet werden. Gleiches gilt für Studenten weiterführender Bildungseinrichtungen, wie die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bekannt gab.

Betroffen von den Beschränkungen sind die Kommunen Hjørring, Frederikshavn, Brønderslev, Jammerbugt, Thisted, Vesthimmerland und Læsø. Restaurants, Kneipen und andere Lokale müssen dort ab Samstag schließen, dürfen aber Essen zum Mitnehmen anbieten. Sporthallen, Schwimmbäder und Fitnessstudios werden ab Montag geschlossen. Dänen und ausländische Besucher wurden aufgerufen, dem Gebiet fernzubleiben. Züge und Busse sollen nicht mehr die Grenzen zu den Regionen überqueren.

"Die Augen der Welt sind auf uns gerichtet", sagte Frederiksen. Es handele sich um eine "wirkliche Absperrung", einen reellen Lockdown, der Region. Dies sei notwendig, weil ein mutiertes Coronavirus das Risiko mit sich bringe, die Wirkung eines kommenden Impfstoffes zu beeinflussen. Alle Bürger in den betroffenen Kommunen werden aufgefordert, einen Corona-Test zu machen. Frederiksen hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass das Virus bei dänischen Nerzen mutiert sei und sich auf den Menschen übertragen habe. Deshalb werden nun alle Nerze im Land getötet - es handelt sich um mehrere Millionen Tiere, deren Felle unter anderem für Pelzmäntel verwendet werden.

Nicht gefährlicher als andere Coronaviren

Dänemark ist der weltweit größte Produzent von Nerzfellen. Im Land gibt es derzeit 1139 Zuchtfarmen und etwa 15 bis 17 Millionen Nerze, davon besonders viele in Nordjütland. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, exportierte das Land allein im Rekordjahr 2013 Nerzfelle im Wert von fast zwei Milliarden Euro. Demnach arbeiten rund 6000 Menschen in der Industrie. Die Tötung der Tiere komme nun einer Schließung der Branche gleich.

Bislang ist das mutierte Virus bei zwölf Menschen in Dänemark festgestellt worden, darunter elf aus Nordjütland. Der fachliche Direktor des dänischen Gesundheitsinstituts SSI, Kåre Mølbak, unterstrich, dass dieses Virus nicht gefährlicher als andere Coronaviren sei. Das Risiko bestehe aber darin, dass es widerstandsfähiger gegenüber Antikörpern sei.

Quelle: ntv.de , fzö/dpa/AFP

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