Panorama
25.07.2019

Frau stirbt nach Po-Vergrößerung Staatsanwalt ermittelt gegen Chirurgen

Ein neues Schönheitsideal? Manche Frauen möchten ihren Po vergrößern - als Vorbild gelten Strandschönheiten aus Brasilien. Daher spricht die Fachwelt vom "Brazilian Butt".

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein neues Schönheitsideal? Manche Frauen möchten ihren Po vergrößern - als Vorbild gelten Strandschönheiten aus Brasilien. Daher spricht die Fachwelt vom "Brazilian Butt".

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In Düsseldorf steht ein umstrittener Schönheitschirurg vor Gericht - nach einer Po-Vergrößerung zum "Brazilian Butt" stirbt eine 42-jährige Patientin. Es ist nicht der einzige Todesfall in der Praxis des Mannes, der nicht einmal ausgebildeter Facharzt für solche Fälle ist.

Jennifer Lopez hat ihn, Kim Kardashian auch - und immer mehr Frauen in Deutschland wollen ihn ebenfalls: einen großen, runden Po. So wie man ihn Strandschönheiten an Rios Copacabana nachsagt. Schönheitschirurgen nehmen Tausende Euro für die Po-Vergrößerung zum "Brazilian Butt", doch nun hat es eine Tote gegeben. Eine 42-jährige Patientin starb im Juli in Düsseldorf nach einer Po-Vergrößerung.

Die Frau sei in Folge der Operation verblutet, sagte Staatsanwalt Uwe Kessel, der in dem Fall ermittelt. War es ein Behandlungsfehler? Das muss nun ein Sachverständiger klären. Der betroffene Mediziner widerspricht dem Staatsanwalt: "Verblutet ist sie definitiv nicht. Ihr Kreislauf war stabil nach der OP", sagte der 47-Jährige auf Anfrage. Außerdem gebe es im operierten Bereich keine großen Blutgefäße. Er vermute viel eher einen plötzlichen Herztod als Todesursache, etwa durch eine angeborene Herzschwäche. Der Frau war zuvor an anderer Stelle Fett abgesaugt und dann ins Gesäß gespritzt worden.

Der Operateur ist kein Unbekannter für die Justiz. Zwei weitere Verfahren laufen gegen ihn - bei dem einen geht es ebenfalls um einen Todesfall. Bereits im vergangenen Jahr war eine 20 Jahre alte Studentin nach einem Eingriff bei ihm gestorben. In diesem älteren Fall ist die Todesursache aber noch unklar, die Untersuchungen dauern an.

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Außerdem steht der Mediziner Anfang August wegen Titelmissbrauchs vor dem Amtsgericht, so der Staatsanwalt. Er soll sich auf seiner Homepage als "Dr. med." ausgegeben haben, obwohl er diesen Titel nicht besitzt. Die Staatsanwaltschaft hatte deswegen einen Strafbefehl in Höhe von 13.500 Euro gegen ihn erlassen. Dagegen hat der Arzt Widerspruch eingelegt, so dass der Fall nun vor Gericht verhandelt werden muss.

Viel zu hohes Todesrisiko

Überdies ist er gar kein ausgebildeter Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie, sondern lediglich Internist. Das ist allerdings in Deutschland legal - jeder Arzt darf sich als Schönheitschirurg bezeichnen, auch Kieferchirurgen dürfen Brustvergrößerungen durchführen, wie Professor Dennis von Heimburg sagt, der Präsident der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen. Er lehnt die Methode ab. "Das ist eine seit fünf Jahren relativ populäre OP. Aber bei einer Mortalitätsrate von 1:3000 ist ein solcher Eingriff eigentlich kaum zu rechtfertigen", sagt er.

Die Sterberate sei sehr hoch. Hauptgrund sei das Risiko einer Fett-Embolie. "Kleine Bröckchen können dabei über die Blutgefäße in Venen, Herz oder Lunge gelangen. Das ist das Schlimmste, was passieren kann", sagt von Heimburg. Der operierende Internist aus Düsseldorf geht mit den Po-Vergrößerungen offensiv um: Viele der Eingriffe lässt er filmen und veröffentlicht sie nahezu täglich auf seinem Instagram-Profil, das 54.000 Interessierte abonniert haben. Die Mitschnitte sind nichts für Zartbesaitete.

Die Ärztekammer Nordrhein will sich zum konkreten Fall derzeit nicht äußern und die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten. Seit Jahren nehme man aber einen Trend zur Selbstoptimierung wahr. Patienten sollten sehr gründlich darüber nachzudenken, ob und warum der Eingriff überhaupt vorgenommen werden sollte. Jeder Eingriff sollte mit einem Arzt des Vertrauens besprochen werden, der an der Maßnahme keinerlei wirtschaftlichen Nutzen habe.

Quelle: n-tv.de , vpr/dpa

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