Dienstag, 27. September 2022

Flucht nach Panama Vater wollte Sohn durch Entführung "beschützen"

Der Vater hat keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn.

(Foto: picture alliance/dpa)

Anfang des Jahres will eine Mutter ihren elfjährigen Sohn in Empfang nehmen, doch der Junge erscheint nicht am Treffpunkt. Der Vater reist stattdessen mit dem Kind nach Panama, dort wird er aufgespürt und festgenommen. Nun muss er sich dafür verantworten, zu seinem Kind hat er keinen Kontakt mehr.

Zum Auftakt eines Prozesses um Kindesentführung nach Panama hat der Vater des Kindes die Tat als Verzweiflungstat bezeichnet und die Vorwürfe eingeräumt. Es tue ihm leid für seinen Sohn, zu dem er nun keinen Kontakt mehr habe, sagte er mit brüchiger Stimme und unter Tränen zum Auftakt der Verhandlung am Dienstag.

Dem 50-Jährigen wird vor dem Amtsgericht Pforzheim vorgeworfen, den inzwischen elf Jahre alten Jungen nach einem Weihnachtsurlaub bei sich in Nordrhein-Westfalen nicht zu seiner Mutter zurückgebracht zu haben. Stattdessen habe er ihn kurz vor dem Jahreswechsel erst nach Belgien, dann nach Amsterdam und schließlich nach Panama gebracht, sagte der Mann. Es habe immer wieder Streit um Umgang gegeben. "Ich wollte ihn beschützen." Medien hatten berichtet, dass der Vater Impfgegner sei und nicht gewollt habe, dass sein Sohn geimpft werde. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich dazu nicht.

"Nie wieder so, wie es war"

"Es war die Hölle", sagte die in Mühlacker (Entkreis) lebende Mutter des Jungen kurz vor Beginn des Prozesses. Sie hatte Anfang Januar vergeblich am vereinbarten Treffpunkt auf ihren Sohn gewartet. "Unser Leben wird nie wieder so sein, wie es war." Auch sie sei zweimal in Panama gewesen, um nach ihrem Sohn zu suchen. Als der Junge nicht wie ausgemacht am Treffpunkt beim Kölner Hauptbahnhof erschien, wurden Bundeskriminalamt und Interpol eingeschaltet und der Mann mit internationalem Haftbefehl gesucht. Anfang Februar wurde er in Panama festgenommen und danach nach Deutschland ausgeliefert.

Nach Worten eines Gerichtssprechers sind neben der Mutter noch ein psychologischer Sachverständiger und vier weitere Zeugen geladen. Ein Urteil könnte den Angaben zufolge noch im Laufe des Tages fallen. Das Kind ist wieder in Obhut der Mutter.

Quelle: ntv.de , ter/dpa

*Datenschutz