Sonntag, 15. August 2021

Fallschirmjäger nach Afghanistan Bundeswehr-Rettungsmission beginnt Montag

Vor zehn Jahren: Ein Bundeswehrstützpunkt nahe Kundus.

(Foto: dpa)

Nichts wie weg: Wegen des Blitzvormarschs der Taliban soll die Bundeswehr einem Bericht zufolge so schnell wie möglich die deutsche Botschaft in Afghanistan evakuieren und etwa 10.000 Personen retten. Drehscheibe der Transportflugzeuge und Fallschirmjäger wird demnach Taschkent.

Zur Evakuierung des deutschen Botschaftspersonals in Kabul werden laut einem Zeitungsbericht am Montag Militärtransporter der deutschen Luftwaffe vom Typ A400M in die afghanische Hauptstadt fliegen. Diese Maschinen, die höchsten Schutz böten, sollten die Deutschen sicher außer Landes bringen, berichtet die "Bild am Sonntag". Voraussichtlich werde in der usbekischen Hauptstadt Taschkent eine Drehscheibe für Zwischenlandungen der A400M-Maschinen eingerichtet. Von dort sollten die Passagiere mit Chartermaschinen nach Deutschland gebracht werden.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte demnach, er räume der sicheren Ausreise des deutschen Personals aus Afghanistan höchste Priorität ein. "Oberstes Gebot ist jetzt die Sicherheit unseres Botschaftspersonals", wird er zitiert: "Wir werden nicht riskieren, dass unsere Leute den Taliban in die Hände fallen. Wir sind für alle Szenarien vorbereitet." Die Bundesregierung ist laut Maas mit dem Bundestag über ein Mandat für den Evakuierungseinsatz im Gespräch. Angesichts der aktuellen Gefahrenlage soll eine nachträgliche Mandatierung wahrscheinlich sein.

Nach der Einnahme der Provinzhauptstadt Pul-i-Alam lagern die radikalislamischen Taliban nur noch rund 50 Kilometer von Kabul entfernt. Die USA entsandten Tausende zusätzliche Soldaten in die afghanische Hauptstadt, die nach Pentagon-Angaben gewährleisten sollen, dass täglich Tausende Menschen ausgeflogen werden können. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte zu, das Auswärtige Amt beim Ausfliegen von Botschaftspersonals und Ortskräften zu unterstützen.

Nach Informationen von ntv hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Innenminister Horst Seehofer, Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer und Außenminister Heiko Maas am frühen Samstagmorgen über die Lage in Afghanistan beraten. Der Plan sieht demnach vor, bis zu 10.000 Personen, Helfer und ihre "Kernfamilien" aus dem Land zu bringen, um sie vor der Rache der radikalislamistischen Taliban zu retten. Sie haben im Laufe der letzten Jahre unter anderem für die Bundeswehr, das Auswärtige Amt, die Entwicklungshilfe oder andere deutsche Organisationen gearbeitet und müssen nun um ihr Leben fürchten. Erste Helfer, auch deutscher Medien, wurden bereits ermordet.

Die Bundeswehr hat schon mit Vorbereitungen für die Evakuierung begonnen. Zum Einsatz kommen sollen dabei nächste Woche vor allem Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte (DSK); sie sind Teil der Nationalen Risiko- und Krisenvorsorge für diese Aufgabe.

Die islamistischen und militanten Extremisten nahmen auf ihrem rasanten Eroberungszug am Samstag auch die Großstadt Masar-i-Scharif im Norden ein. Dort war bis vor wenigen Wochen ein großes Feldlager der Bundeswehr, seit Ende Juni sind die deutschen Soldaten aus dem Krisenstaat abgezogen. Damit hält die Regierung lediglich noch zwei Großstädte - Dschalalabad im Osten und die Hauptstadt Kabul.

Quelle: ntv.de , rpe/dpa/AFP

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