Politik
29.04.2018

Keine echte Hilfe für die Bienen Experte kritisiert Neonicotinoid-Verbot

Bienen gelten als drittwichtigstes Haustier. Fallen sie als Bestäuberinnen aus, dann sinken die Erträge drastisch.

(Foto: AP)

Bienen gelten als drittwichtigstes Haustier. Fallen sie als Bestäuberinnen aus, dann sinken die Erträge drastisch.

(Foto: AP)

Mit dem Verbot von bestimmten Pflanzenschutzmitteln im Freiland sollen Bienen geschützt werden. Doch um den bestäubenden Insekten das Leben wirklich langfristig zu ermöglichen, bedarf es mehr als dieses generelle Verbot, kritisiert ein Experte.

Das am vergangenen Freitag beschlossene EU-Freilandverbot für drei bienenschädliche Pflanzenschutzmittel ist unter Fachleuten umstritten. "Das generelle Verbot sehe ich nicht unkritisch", sagte der Agraringenieur und Imker Klaus Wallner von der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Er hätte sich eine detaillierte fachliche Diskussion gewünscht. "Der gesamte Naturhaushalt hätte in den Blick genommen werden müssen." Für das Überleben der Bienen sei es wichtiger, den Rapsbestand als entscheidende Nahrungsquelle zu erhalten, als drei Neonicotinoide aus dem Ackerbau zu verbannen.

Die EU-Staaten hatten einem Freilandverbot für drei bienenschädliche Insektenmittel am Freitag zugestimmt. Bundesagrarministerin Julia Klöckner sprach von einem "guten Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa". Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagte, das Artensterben aufzuhalten, "ist eine der zentralen politischen Aufgaben unserer Zeit". Die Entscheidung in Brüssel sei aber nur einer der Bausteine, um das Insektensterben aufzuhalten.

Die sogenannte Beizung, also das direkte Behandeln des Saatgutes mit Pflanzenschutzmitteln, ist mit der Entscheidung nicht mehr möglich. Es sei zu vermuten, dass die Bauern andere Wirkstoffe großflächig auf die Äcker brächten, die neben Schädlingen nützliche Kleinstlebewesen wie Käfer und Spinnen vernichten, meinte Wallner. Der für die Landwirte künftig aufwendigere Pflanzenschutz insbesondere beim von Bienen bevorzugten Raps könne sie zu einem Umstieg auf Sojapflanzen bewegen. "Das wäre dann ein dramatischer Bumerang", sagte Wallner.

Den Bienen hilft das nichts

"Den wenigsten Imkern und Politikern ist bewusst, dass diese Entscheidung den Bienen gar nichts bringt und die Ersatzmaßnahmen die Lage verschlechtern können." Spritzmittelspuren im Honig seien an seinem Institut in den vergangenen Jahren nicht nachweisbar gewesen, betonte Wallner, der das Rückstandslabor leitet.

Das größte Problem für das Überleben der Bienen ist nach Auskunft Wallners der Verlust von blühenden Pflanzen. "Die Tiere finden weder auf den Wiesen noch in den Hausgärten blühende Pflanzen und Kräuter." Vor allem die Wildbienen leiden nach seinen Worten unter den "grünen Wüsten". Unter den 560 Wildbienenarten mit einem Flugradius von gerade mal wenigen hundert Metern seien viele hoch spezialisiert.

"Wenn die Glockenblumen-Scherenbiene keine Glockenblumen findet, wird sie untergehen", sagte der Experte. Er gab die Zahl der Bienenvölker in Deutschland mit rund einer Million an.

Quelle: n-tv.de , jaz/dpa

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