Dienstag, 20. September 2022

Drehscheibe Serbien? Flüchtlingsansturm über Balkan besorgt Faeser

Zelte in einem Park in Belgrad. (Archivbild)

(Foto: PantherMedia / Marko Beric)

Im Schatten des Ukraine-Kriegs erreichen Deutschland immer mehr Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan über die Balkan-Route. Sachsen und Bayern schlagen bereits Alarm. Innenministerin Faeser stellt fest, dass die serbische Hauptstadt Belgrad dabei eine Rolle spiele.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser ist besorgt angesichts der deutlich steigenden Zahl der Flüchtlinge, die über den Balkan nach Deutschland kommen. Offenbar reisten viele der Migranten über die serbische Hauptstadt Belgrad ein, auch über den dortigen Flughafen, und machten sich dann auf den Weg nach Deutschland, sagte Faeser dem TV-Sender Welt. Die SPD-Politikerin kündigte Gespräche mit Serbien darüber an, "warum die Migration auf einmal so zugenommen hat".

"Wir sehen verstärkte Migration über Tschechien, über Österreich - auch nach Deutschland", sagte die Ministerin. "Ich habe mit meinen beiden Kolleginnen und Kollegen darüber schon gesprochen, was wir gemeinsam auch tun können."

Faeser zeigte Verständnis für die Appelle von Sachsens Innenminister Armin Schuster, der von stark steigenden Flüchtlingszahlen gesprochen hatte. "Das ist richtig, was Sachsen beobachtet", sagte Faeser. "Wir beobachten das jetzt auch schon seit zwei Wochen und sind schon am Handeln, um dort die Bewegung auch umzulenken." Bei der Unterbringung helfe der Bund mit bundeseigenen Immobilien, sagte die Innenministerin. "Wir haben bislang noch ausreichend Kapazitäten, aber es ist sehr knapp." Deswegen habe sie auch die kommunalen Spitzenverbände in ihr Ministerium eingeladen, um über das weitere Vorgehen zu sprechen.

Zusätzlich zu Ukrainern: 200.000 Flüchtlinge in diesem Jahr?

Der sächsische Innenminister Schuster hatte Mitte September von einem enormen Zustrom über die Balkan-Route gesprochen. Schon im Juni sei die Zahl der Flüchtlinge vor allem aus Syrien allein in Sachsen auf 1000, im Juli auf 1500 und im August auf 2000 Menschen im Monat gestiegen. Seit September seien es nun täglich bereits rund 100 illegale Einreisen, vorrangig mit der Bahn. "Wir sind enorm unter Druck", sagte Schuster am vergangenen Donnerstag laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", zumal die Flüchtlingszahlen Prognosen zufolge weiter stiegen. "Wir steuern auf eine Lage zu, wie wir sie 2016/17 schon einmal hatten." Es könne sein, dass in diesem Jahr bundesweit bis zu 200.000 Flüchtlinge ankämen - zusätzlich zu den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine.

Auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann schlug laut dem Bericht Alarm. Die Zahl der Flüchtlinge, die überwiegend in Süd- und Ostbayern über die Straße und vermehrt auch über die Schiene ankommen, habe sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verfünffacht. In den Monaten Mai, Juni und Juli seien im Monat im Schnitt 5600 Personen nach Bayern gekommen. Das habe auch mit dem Krieg in der Ukraine zu tun, aber eben auch mit den Flüchtlingsbewegungen aus Syrien oder Afghanistan, sagte der CSU-Politiker.

Quelle: ntv.de , mau/AFP

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