Politik
27.09.2018

Rundumschlag vor der Presse Trump: "Sie haben mich nicht ausgelacht"

Meint zu wissen, was die Chinesen über ihn denken: US-Präsident Donald Trump.

(Foto: AP)

Meint zu wissen, was die Chinesen über ihn denken: US-Präsident Donald Trump.

(Foto: AP)

Mehr als eine Stunde lang stellt sich US-Präsident Donald Trump in New York den Fragen der Journalisten. Beim Versuch, seine Erfolge zu erklären, offenbart er eine höchst skurrile Sicht auf die Dinge.

Am Rande der UN-Vollversammlung in New York hat US-Präsident Donald Trump im Rahmen einer ungewöhnlich ausführlichen Pressekonferenz mehr als eine Stunde Fragen von Medienvertretern beantwortet. Trump nutzte die Gelegenheit, die eigene Regierungsarbeit zu loben. Nebenbei gewährte er in ungelenken Worten Einblicke in seine Wahrnehmung der Wirklichkeit.

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Das Gelächter im Plenarsaal während seiner Rede bei der UN-Vollversammlung stufte Trump zum Beispiel als wohlwollend ein. "Sie haben mich nicht ausgelacht. Sie haben mit mir gelacht", erklärte er den Journalisten. "Ich habe Lächeln gehört." Er und das Publikum im Saal hätten zusammen "Spaß gehabt". Die Deutung, dass er teils ausgelacht worden sei, bezeichnete Trump als "Fake News".

Während Trumps Rede vor ranghohen Vertretern aus 193 Mitgliedstaaten war im Saal höhnisches Gelächter aufgekommen, als er über seine bisherigen Errungenschaften als Präsident sprach. "In weniger als zwei Jahren hat meine Regierung mehr erreicht als fast jede andere in der Geschichte der USA", hatte Trump gesagt. Auch bei seiner Behauptung, dass die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und andere "die Welt ausnehmen", lachten viele der Anwesenden. Die USA gehören zu den Staaten der Welt, die mit am meisten Öl in andere Länder exportieren.

Als er einen Reporter der "New York Times" in den Reihen der Medienvertreter erkennt, nutzt er die Gelegenheit für eine bedrohlich klingende Prognose: "Die 'Times', ich glaube, sie wird mich unterstützen. (…) Ich denke ABC, CBS, NBC, die Washington Post, sie alle werden mich unterstützen, denn wenn sie es nicht tun, werden sie alle pleitegehen."

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Angesprochen auf den Nahostkonflikt und seine Aussage, er setze sich im israelischen-palästinensischen Verhältnis für eine Zwei-Staaten-Lösung ein, erklärte er: "Mein ganzes Leben wurde mir gesagt, es wäre der schwierigste Deal, und ich stimme nicht zu. Gesundheitsvorsorge ist schwieriger."

"Ihr hättet Millionen Menschen verloren"

Mit Blick auf den Umgang mit Nordkorea - jenem Land, dem er vor einem Jahr noch mit "Feuer und Zorn" und totaler Vernichtung gedroht hatte - beanspruchte er es als seinen Erfolg, einen Krieg verhindert zu haben: "[Ex-Präsident Barack Obama] war bereit, in den Krieg zu ziehen", sagte Trump. "Wenn ich nicht gewählt worden wäre, dann wärt ihr im Krieg und hättet Millionen Menschen verloren. [Kim Jong Un] hat mir zwei der schönsten Briefe geschrieben. (…) Einer der Briefe ist historisch. Wir werden einen Deal abschließen."

Trump beantwortete auch Fragen zu brandaktuellen Themen der US-Innenpolitik: "Sie wissen, dass es großer Betrug ist", sagte er zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den von ihm vorgeschlagenen Richter-Kandidaten für den Supreme Court, Brett Kavanaugh. Trump bezeichnete die Vorwürfe offen als eine Art Verschwörung der oppositionellen Demokraten. "Ich garantiere euch, sie lachen sich kaputt darüber, was sie mit euch und der Öffentlichkeit abgezogen haben."

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Auf die konkrete Nachfrage, ob er der Ansicht sei, dass die Frauen, die Kavanaugh mittlerweile öffentlich des sexuellen Missbrauchs bezichtigen, Lügnerinnen seien, reagierte er etwas vorsichtiger: "Bei dem Spiel mache ich nicht mit." Er könne sich allerdings unter Umständen durchaus vorstellen, Kavanaughs Nominierung zurückzuziehen. "Wenn ich denke, dass er sich einer solchen Sache schuldig gemacht hätte: ja, sicher."

"Wisst ihr, wer jetzt toll ist?"

"Ich habe andere tolle Leute für den Job befragt. Ich kann mir vorstellen, zu einem von ihnen zu gehen und zu sagen, es ist zu schade, was diesem wundervollen Mann [Kavanaugh] passiert ist, aber ich wähle dich aus."

Auch auf dem Gebiet der Außenpolitik gewährte Trump freimütige Einblicke in sein Denken. "20 Jahre lang war es immer, oh, China ist so toll, China ist so toll. Das hört man nicht mehr häufig. (…) Wisst ihr, wer jetzt toll ist? Wir sind jetzt toll."

Seine Beziehung zu Chinas Staatspräsident Xi Jinping beschrieb Trump als hervorragend. "Er hat gesagt, dass China totalen Respekt für Donald Trump und für Donald Trumps sehr, sehr großes Gehirn hat." Gleichzeitig erneuerte er seine Vorwürfe, China beabsichtige sich in die anstehenden Kongresswahlen einzumischen. "Sie wollen, dass ich die Wahl verliere."

"Ja, Mr. Kurde, bitte"

Lob gab es für die Beziehungen zu Mexiko und die Verhandlungen über eine Neuauflage des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta): "[Mexiko] war toll, der neue Präsident [López Obrador] war toll. Das Abkommen ist fertig, jetzt muss es durch den Kongress (...) Ich benutze das Wort Nafta nicht. Wir könnten es USMK nennen. Das wären USA, Mexiko, Kanada. Aber es wird möglichweise nur USM sein. (…) Falls Kanada keinen Deal mit uns macht, werden wir Steuern auf ihre Autos erheben. Das bringt mehr Geld als jegliches Abkommen."

Hoch erhobene Augenbrauen löste Trump auch aus, als er einen kurdischen Journalisten um seine Frage bat: "Ja, Mr. Kurde, bitte." Mit dieser Anrede, die offenbar nicht beleidigend gedacht war, offenbarte er mindestens eine bedenkliche Nachlässigkeit im Umgang mit diplomatischen Gepflogenheiten.

Größere Bedenken dürfte dagegen in Fachkreisen eine Aussage Trumps zum geldpolitischen Kurs der US-Notenbank auslösen. "Ich bin nicht glücklich über die Zinsen", sagte der US-Präsident zur Entscheidung der Währungshüter. "Leider haben sie die Zinsen gerade wieder erhöht." Er, so Trump, würde "lieber Schulden abbezahlen oder andere Dinge tun, mehr Jobs schaffen".

Quelle: n-tv.de , rpe

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