Fußball
06.10.2017

Erfolgstrainer zurück in München Heynckes ist Stabilisator, nicht Innovator

Von Constantin Eckner

Der Trainer, dem die Spieler vertrauen: Jupp Heynckes.

(Foto: dpa)

Einen spielerischen Großumbruch sollten Bayern-Fans von Jupp Heynckes in München nicht erwarten, eher eine taktische Kurskorrektur. Zusätzlich dürften sie an der Seitenlinie wieder einen Trainer vorfinden, dem die Spieler vertrauen.

Er soll es noch einmal für den FC Bayern richten. Jupp Heynckes ist jene Übergangslösung, die der Klub benötigt, bevor im kommenden Sommer der große Umbruch eingeleitet werden kann. Heynckes bezeichnet es selbst als "Freundschaftsdienst" und macht damit schon klar, dass er nun nicht als großer Innovator die wegweisenden Schritte für die Zukunft einleiten soll.

Dafür wäre Heynckes heute auch nicht mehr der richtige Mann. Als er 1979 seine Trainerkarriere bei Borussia Mönchengladbach begann und rasch zum Cheftrainer befördert wurde, erarbeitete sich der einstige Top-Stürmer schnell einen Ruf als taktischer Vordenker oder Querkopf, je nachdem wie hoch die Meinung der Beobachter von Heynckes‘ Fähigkeiten war. Vom Modell des Liberos war er nicht überzeugt, vom Hinten-Drin-Stehen und Mauern auch nicht. Vom plumpen Flankenschlagen ebenso wenig. Heynckes war einer jener jungen aufstrebenden Trainer, die den Fußball umgestalten wollten. So wie heute etwa Julian Nagelsmann, für den Heyneckes allem Anschein nach beim FC Bayern den Weg bereitet.

Zur Karriere des Josef "Jupp" Heynckes gehörten aber auch immer die Schattenseiten des Geschäfts: Scheitern und Kritik. Früher galt er als autoritärer Fußballtrainer; als jemand, der gerne mal die Kabine gegen sich aufbrachte. Er war weder Entertainer noch Menschenfänger. In den Jahren vor seinem zwischenzeitlichen Rücktritt 2013 bekamen Beobachter allerdings einen ganz anderen Eindruck. Heynckes hatte sich zum Kumpeltyp entwickelt. Von der teils herrischen Art, wie er sie beispielsweise während seiner Amtszeit auf Schalke Mitte der 2000er noch ausstrahlte, war nichts mehr zu spüren.

Da ist er! Der Super-Jupp!

(Foto: imago/ActionPictures)

Wenn beim FC Bayern München nix mehr geht, geht immer noch Jupp Heynckes.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Die Mission: Den deutschen Rekordmeister endlich wieder auf Kurs zu bringen. (Böse Zungen würden behaupten: Den Klub vom Ancelotti'schen Irrweg zurückzuführen.)

(Foto: imago/Ulmer/Cremer)

Das Empfehlungsschreiben von Jupp "Osram" Heynckes kann sich durchaus sehen lassen - nicht nur wegen der prächtigen Beinkleider.

(Foto: imago/HJS)

Coach Heynckes bringt tatsächlich ein beträchtliches Repertoire an Qualifikationen mit.

(Foto: imago/Martin Hoffmann)

Mit Real Madrid gewinnt er 1998 die Champions League - um dann noch in der laufenden Saison entlassen zu werden.

(Foto: imago/Passage)

Schwamm drüber: Heynckes kennt sich mit den Gepflogenheiten der Bundesliga bestens aus.

(Foto: imago/HJS)

Mit Borussia Mönchengladbach feiert er Erfolge als Spieler (immer mit der nötigen Ernsthaftigkeit, wirklich), ...

(Foto: imago/Horstmüller)

... und immerhin eineinhalb Mal als Trainer (die Rückkehr bezeichnet er später als größten Fehler seines Lebens).

Es folgen Engagements beim FC Schalke 04, Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt.

Die verkommen jedoch zur Randnotiz, denn: Der FC Bayern München und Jupp Heynckes, das ist wie "Arsch auf Eimer". Mit anderen Worten: Es passt.

(Foto: imago/Ferdi Hartung)

Darauf ein Stößchen!

(Foto: imago/WEREK)

In den Jahren 1989, 1990 und 2013 holt er die Deutsche Meisterschaft nach München.

(Foto: imago/MIS)

Heynckes ist der erste Trainer einer deutschen Mannschaft, der ...

(Foto: imago/Avanti)

... das große europäische Triple holt. Ist damit ...

(Foto: imago/ActionPictures)

... alles gesagt? Nein. Denn Heynckes hat außerdem noch ...

(Foto: imago/Camera 4)

... einen guten Draht zu FC-Bayern-Königsmacher Uli Hoeneß, ...

(Foto: imago/Ulmer)

... und der restlichen FCB-Führungsriege. Kein Wunder.

(Foto: imago/WEREK)

Der neue Coach kennt Spieler wie Franck Ribéry ...

(Foto: imago/MIS)

... und Arjen Robben aus dem Effeff, und weiß vor allem, mit ihnen umzugehen.

(Foto: imago/ActionPictures)

Ja, Jupp Heynckes wird mit 72 Jahren doch noch einmal rückfällig.

(Foto: AP)

In München werden sie es ihm danken ...

(Foto: imago/MIS)

... und Heynckes?

(Foto: AP)

Der hat nach sage und schreibe acht Titeln mit den Bayern ...

(Foto: imago/Revierfoto)

... gar nichts, aber auch wirklich nichts mehr zu beweisen. (jgu)

(Foto: imago/Contrast)
06.10.2017 Sport Zum vierten Mal im Amt Triple-Jupp soll FC Bayern auf Kurs bringen

Und darauf beruhte ein Teil des Erfolgs bei Bayer Leverkusen und anschließend Bayern München, wo er 2011 auf Louis van Gaal folgte. Stars und solche, die auf dem Weg zum Star-Status waren, arbeiteten für ihren Trainer. Er machte Vorgaben – oftmals in Absprache mit Führungsspielern – und sie setzten diese um. In der Triple-Saison 2012/13 war die hervorragende Defensivarbeit von Franck Ribéry in aller Munde. Der Franzose war sich nicht zu schade, die Meter nach hinten zu laufen und an der Seite von David Alaba die linke Seite abzusichern. Ein Beispiel mit großer Aussagekraft.

"Genau der richtige Mann"

"Jupp Heynckes ist ein Meister in Sachen Menschenführung und Taktik", sagte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic bei der offiziellen Bekanntgabe, dass Heynckes bis zum Saisonende das Traineramt übernimmt. Er sei "genau der richtige Mann, um die Mannschaft wieder zum Erfolg zu führen und um unsere Ziele zu erreichen", so Salihamidzic.

Im Nachhinein ist es erstaunlich, wie sich die Dinge bei den Bayern zuletzt entwickelten. Heynckes hörte auf dem Höhepunkt – womöglich nicht ganz freiwillig – auf. 2013 wurde er von Pep Guardiola beerbt. Die Bayern hatten gerade die Champions League gewonnen und befanden sich selbst auf dem Zenit ihres Schaffens. Top-Stars wie Arjen Robben waren im besten Alter und taktisch gereift. Athletisch stellte die Mannschaft eine Urgewalt dar, die keiner in Deutschland oder Europa effektiv stoppen konnte.

Doch diese Zeiten scheinen vorerst vorbei. Guardiolas dreijährige Amtszeit gilt vielleicht bei Kritikern und Grantlern als eine Zeit des Scheiterns, weil der nächste Triumph in der Königsklasse ausblieb. Eigentlich war der Katalane aber erfolgreich darin, den seichten Niedergang einiger Stützen im Verein durch sein taktisches Tüfteln zu kaschieren. Carlo Ancelotti sollte im Anschluss eine Art Umdenken verkörpern. Wie Guardiola ist der Italiener ein Trainer von Weltrang, aber er repräsentiert den Pragmatiker, den Menschenversteher – quasi einen Heynckes 2.0.

In den Tagen nach Ancelottis Abgang aus München war von dieser Vorhersage wenig übrig geblieben. Stimmen wurden laut, dass die Mannschaft nicht von ihm überzeugt war, dass er wenig mit seinen Spielern gerade zum Ende hin kommunizierte. Und auch die lasche taktische Arbeit des Italieners wurde kritisiert, war man doch von Guardiola viel mehr gewohnt.

Nun soll also Heynckes, der Liebling der Spieler, die ihm vertrauen, es richten. Seinen Status bei den hochbezahlten Kickern wird er auch nach vierjähriger Abstinenz nicht verloren haben. Die Hummels und Robbens werden auf ihn hören und seine Autorität weder in Frage stellen noch klammheimlich untergraben. Aber unantastbar ist auch Heynckes nicht.

Kein taktischer Großumbruch

Der 72-Jährige betritt nämlich nicht nur ein Vereinsgelände, in dem es an verschiedenen Ecken gärt, in dem Führungsfiguren um die Vorherrschaft buhlen, in dem Stars wie Robert Lewandowski offen mit Abgangsgedanken kokettieren. Die Mannschaft befindet sich im sportlichen Schlingerkurs, weil ihre technische wie taktische Vormachtstellung abhandengekommen ist. Seit 2013 hat sich viel verändert und zuletzt wenig zum Positiven. Beim ganz großen Wettbieten wollen die Bayern nicht mitmachen. Sie verpflichten stattdessen Perspektivspieler wie Niklas Süle und Corentin Tolisso.

Es erinnert nicht an Heynckes‘ letzte Amtszeit bei den Bayern, sondern an seine erste zwischen 1987 und 1991. Damals wurden auch viele junge Talente geholt, alte Recken langsam aussortiert. Heynckes verstand sich zu jener Zeit noch als Innovator, als Verfechter von neuartigem Pressing und Raumdeckung. Doch kann er im Jahr 2017 noch Tricks aus dem Ärmel schütteln, die seine topausgebildeten Kollegen überraschen werden?

Das erscheint unrealistisch. Stattdessen kann sich Heynckes nun vor allem als Stabilisator beweisen. In der heimischen Bundesliga könnten sich die Bayern mit einem anpassungsfähigen Pressing, wie sie es auch 2012 und 2013 praktizierten, defensiv festigen. Unnötige Punktverluste minimieren, sollte die erste Devise sein. Auch die Offensive des deutschen Rekordmeisters ist nicht zahnlos. Gegen die Mehrheit der Bundesligisten genügt immer noch die individuelle Klasse. Und selbst die ambitionierteren Mannschaften sollten gegen einen FC Bayern, der verstärkt im Zentrum rochiert, die Zwischenlinienräume besser besetzt und weniger plump Flanken in den gegnerischen Strafraum schaufelt, große Probleme bekommen.

Alldem wird sich der 72-Jährige spätestens nach der Analyse der vergangenen Partien bewusst sein und Mittel und Wege finden, seine Mannschaft zumindest taktisch einigermaßen auf Kurs zu bringen. Kleinere Rückschläge können mit der schwierigen Ausgangslage begründet und mit dem nun vorherrschenden romantischen Touch, den die Beziehung Heynckes-Bayern ausstrahlt, übertüncht werden. Einen Paradigmenwechsel, einen Großumbruch, eine Revolution erwartet vom Trainerveteran sowieso keiner. Die wirklichen Weichen für die Zukunft werden erst mit der Verpflichtung seines Nachfolgers gestellt.

Da ist er! Der Super-Jupp!

(Foto: imago/ActionPictures)

Wenn beim FC Bayern München nix mehr geht, geht immer noch Jupp Heynckes.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Die Mission: Den deutschen Rekordmeister endlich wieder auf Kurs zu bringen. (Böse Zungen würden behaupten: Den Klub vom Ancelotti'schen Irrweg zurückzuführen.)

(Foto: imago/Ulmer/Cremer)

Das Empfehlungsschreiben von Jupp "Osram" Heynckes kann sich durchaus sehen lassen - nicht nur wegen der prächtigen Beinkleider.

(Foto: imago/HJS)

Coach Heynckes bringt tatsächlich ein beträchtliches Repertoire an Qualifikationen mit.

(Foto: imago/Martin Hoffmann)

Mit Real Madrid gewinnt er 1998 die Champions League - um dann noch in der laufenden Saison entlassen zu werden.

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Schwamm drüber: Heynckes kennt sich mit den Gepflogenheiten der Bundesliga bestens aus.

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Mit Borussia Mönchengladbach feiert er Erfolge als Spieler (immer mit der nötigen Ernsthaftigkeit, wirklich), ...

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... und immerhin eineinhalb Mal als Trainer (die Rückkehr bezeichnet er später als größten Fehler seines Lebens).

Es folgen Engagements beim FC Schalke 04, Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt.

Die verkommen jedoch zur Randnotiz, denn: Der FC Bayern München und Jupp Heynckes, das ist wie "Arsch auf Eimer". Mit anderen Worten: Es passt.

(Foto: imago/Ferdi Hartung)

Darauf ein Stößchen!

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In den Jahren 1989, 1990 und 2013 holt er die Deutsche Meisterschaft nach München.

(Foto: imago/MIS)

Heynckes ist der erste Trainer einer deutschen Mannschaft, der ...

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... das große europäische Triple holt. Ist damit ...

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... alles gesagt? Nein. Denn Heynckes hat außerdem noch ...

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... einen guten Draht zu FC-Bayern-Königsmacher Uli Hoeneß, ...

(Foto: imago/Ulmer)

... und der restlichen FCB-Führungsriege. Kein Wunder.

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Der neue Coach kennt Spieler wie Franck Ribéry ...

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... und Arjen Robben aus dem Effeff, und weiß vor allem, mit ihnen umzugehen.

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Ja, Jupp Heynckes wird mit 72 Jahren doch noch einmal rückfällig.

(Foto: AP)

In München werden sie es ihm danken ...

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... und Heynckes?

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Der hat nach sage und schreibe acht Titeln mit den Bayern ...

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... gar nichts, aber auch wirklich nichts mehr zu beweisen. (jgu)

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06.10.2017 Sport Zum vierten Mal im Amt Triple-Jupp soll FC Bayern auf Kurs bringen

Quelle: n-tv.de

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