Dienstag, 09. Februar 2021

Nach Suizid ihres Sohnes Eltern verklagen Neo-Broker Robinhood

Der Broker war zuletzt im Zusammenhang mit den Börsen-Turbulenzen rund um den Computerspielehändler Gamestop in die Schlagzeilen geraten.

(Foto: picture alliance / STRF/STAR MAX/IPx)

Die Wertpapierhandel-App Robinhood ermöglicht es Kleinanlegern mit wenig Geld, in Aktien und ETFs zu investieren. Besonders junge unerfahrene Anleger lockt das zuletzt auf die Handelsplattform. Ein Fall aus Illinois zeigt, wie gefährlich es werden kann, wenn Nachwuchstrader im Alleingang investieren.

Nach dem Suizid eines jungen Nutzers der App Robinhood hat die Familie des Opfers den US-Finanzdienstleister verklagt. Robinhood ziehe mit "aggressiven Taktiken und Strategien" junge unerfahrene Investoren an, damit diese "große Risiken für den Reiz verlockender Gewinne aufnehmen", heißt es in der in Santa Clara im Bundesstaat Kalifornien eingereichten Klage. Der 20-jährige Alex K. hatte sich im Juni vergangenen Jahres das Leben genommen.

Robinhood mit Sitz im Silicon Valley ist eine besonders für Kleinanleger gedachte Handelsplattform, auf der Nutzer schon mit wenig Geld in Finanzprodukte investieren können. Der Broker war zuletzt im Zusammenhang mit den Börsen-Turbulenzen rund um den Computerspielehändler Gamestop in die Schlagzeilen geraten. Es gab Kritik an Robinhood, weil das Unternehmen nach den durch Kleinanleger ausgelösten Kursanstiegen den Kauf der Aktien von Gamestop und weiterer Unternehmen eingeschränkt hatte.

Alex K. hatte noch zu Schulzeiten einen Robinhood-Account eröffnet und später wild mit Finanzprodukten und Optionen gehandelt und spekuliert. Eines Tages fand er seinen Account bei der App in den roten Zahlen vor - dort stand ein Minus von über 730.000 Dollar (rund 600.000 Euro) zu Buche. Er schuldete dem Unternehmen dieses Geld zwar nicht, sei aber zu unerfahren gewesen, um die Mitteilung zu verstehen, heißt es in der Klage, die seine Eltern und seine Schwester einreichten.

Der junge Mann aus Illinois habe anschließend mehrfach versucht, den Kundendienst von Robinhood zu kontaktieren, jedoch nur automatische Antworten erhalten. Er sei schließlich in "komplette Panik" verfallen, weil er dachte, er müsse die Summe an Robinhood zurückzahlen. Seine Familie macht Robinhood für den Tod des Mannes verantwortlich und wirft dem Unternehmen unfaire Geschäftspraktiken vor. Der Finanzdienstleister vermarkte seine Plattform "wie ein Videospiel" und suggeriere, dass Aktienhandel und Optionen "lustige Wege" seien, um Geld zu machen und sogar reich zu werden, monieren die Kläger. Sie verlangen eine Entschädigung, die Höhe der geforderten Summe blieb aber unbekannt.

Robinhood erklärte über eine Sprecherin, das Unternehmen sei bereits damals "erschüttert" vom Tod des jungen Mannes gewesen. "Tragischerweise" sei die Kommunikation missverständlich gewesen, denn Alex habe niemandem Geld geschuldet. Robinhood habe in der Folge sein Angebot überarbeitet - vor allem mit mehr Hinweisen an die Nutzer. Robinhood solle weiterhin ein Ort bleiben, an dem Nutzer "verantwortungsvoll investieren" können.

Quelle: ntv.de , jki/AFP

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