Freitag, 24. September 2021

Deutsche Energiepool Erster Gas-Versorger geht in die Knie

Die Kunden von Deutsche Energiepool werden weiter beliefert - von Eon.

(Foto: REUTERS)

Die stark gestiegenen Gaspreise haben erste Konsequenzen auf dem deutschen Markt. Die in Niedersachsen ansässige Deutsche Energiepool kündigt die Lieferverträge mit ihren Kunden. Doch die müssen nun nicht im Kalten sitzen.

Die drastisch gestiegenen Gaspreise zwingen in Deutschland einen ersten Versorger in die Knie. Die im niedersächsischen Salzbergen ansässige Deutsche Energiepool teilte auf ihrer Online-Seite mit, vielen Kunden die Lieferverträge gekündigt zu haben. "In den letzten Monaten haben sich die Beschaffungspreise für Erdgas und für Strom am Terminmarkt rund verdreifacht, die Preise für kurzfristige Beschaffung sind rund verfünffacht", erklärte das Unternehmen. Mit einer solchen Entwicklung habe kaum jemand gerechnet. Deutsche Energiepool habe sich daher "aufgrund wirtschaftlicher Unzumutbarkeit" zu den Kündigungen gezwungen gesehen. Zudem sei beschlossen worden, die bundesweite Belieferung von Erdgas vollständig einzustellen. Wie viele Kunden das betrifft, ist unklar.

In der Kälte müssen die Kunden aber nicht sitzen. Der Energiekonzern Eon springt ein. "Als zuständiger Grund- und Ersatzversorger in weiten Teilen Deutschlands steht Eon allen betroffenen Kunden zur Seite, die nicht mehr beliefert werden können." Der Konzern stelle sicher, dass es zu keiner Unterbrechung der Energieversorgung komme.

Versorger schlecht erreichbar

Bei Eon stehe beim Energieeinkauf vor allem die Planungssicherheit im Vordergrund, betonte Eon-Energie-Manager Christoph Müller. "Wir kaufen die benötigten Energiemengen langfristig und vorausschauend ein, um genau solche Preisspitzen, wie wir sie derzeit erleben, im Sinne unserer Kunden zu vermeiden."

Deutsche Energiepool kündigte an, sich künftig auf Dienstleistungen im Energiesektor zu konzentrieren. "Derzeit sind wir auf telefonischem Weg aufgrund der Überlastung nur schlecht erreichbar", hieß es zudem. Auf eine E-Mail der Nachrichtenagentur Reuters reagierte das Unternehmen zunächst nicht. Die Firma mahnte ihre Kunden zur Zahlungstreue. "Bis zum Tag des Wirksamwerdens der Kündigung wird der Vertrag unsererseits erfüllt. Bitte halten auch Sie sich daran."

"Die Massenkündigung der Gaslieferverträge nach nur wenigen Monaten, Wochen oder sogar nur 14 Tagen Laufzeit vor Beginn der Heizperiode ist außergewöhnlich", sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding. Die Verbraucherzentrale erreichten derzeit auffällig viele Beschwerden von Energiepool-Kunden. Auffällig sei auch die Tarifstruktur des Unternehmens mit einem sehr hohen Grundpreis und gleichzeitig außergewöhnlich niedrigem Arbeitspreis, sagte Sieverding. Dies rechne sich für Verbraucher nur dann, wenn bei hohem Verbrauch während der heizintensiven Monate Gas geliefert werde. Nach den Kündigungen vor der Heizperiode bestehe ein krasses Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung. Die Bundesnetzagentur müsse als Aufsichtsbehörde wachsam sein.

Wirtschaftsministerium beschwichtigt

Die drastisch gestiegenen Gaspreise haben in Großbritannien mehrere Billiganbieter in die Insolvenz getrieben. "Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist weiterhin hoch", betonte allerdings eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin. Versorgungsengpässe werde es nach derzeitigem Stand nicht geben. Die Gasspeicher in Deutschland mit einer Gesamtkapazität von 24,6 Milliarden Kubikmeter seien zu 64,69 Prozent gefüllt, dieser Prozentsatz steige wöchentlich. Im Vergleich etwa zu Großbritannien habe Deutschland 16mal mehr Kapazitäten aufgebaut.

Das Ministerium beobachte die Lage am Gasmarkt sehr genau. Mit Blick auf deutliche Preissteigerungen sagte die Sprecherin, es gebe einen Strauß an Ursachen. Sie verwies etwa auf das Wiederanziehen der Konjunktur in Asien. Der Markt reagiere bereits, so habe Norwegen das Fördervolumen erhöht.

Die Großhandelspreise für Gas waren in den vergangenen Monaten sehr stark gestiegen. Nach Angaben des Vergleichsportals Check24 liegt der Börsenpreis auf einem Allzeithoch. Für September sei bisher ein Preis von 44,03 Euro pro Megawattstunde ermittelt worden. Im September 2020 habe die Megawattstunde nur 7,99 Euro gekostet, das sei eine Steigerung von 451 Prozent. Die großen Gasversorger kaufen allerdings langfristig ein, so dass Preissprünge an der Börse nicht unmittelbar durchschlagen.

Quelle: ntv.de , mli/rts/dpa

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