Wirtschaft
21.08.2017

"Es tut weh" Experten beklagen Apothekensterben

Die Apothekenverbände fordern ein Schutzgesetz, "direkt nach der Bundestagswahl".

(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)

Die Apothekenverbände fordern ein Schutzgesetz, "direkt nach der Bundestagswahl".

(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)

Der Weg zur nächsten Apotheke wird immer länger: Überall im Land geben Apotheker auf. Die Zahl der Anlaufstellen erreicht zur Jahresmitte einen neuen Tiefstand. Derzeit gibt es in Deutschland so wenige Apotheken wie zuletzt ein Jahr vor dem Mauerfall.

In Deutschland gibt es immer weniger Apotheken. Seit Jahresende 2016 ist die Zahl der Apotheken um 143 auf 19.880 Apotheken gesunken, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) mitteilte. Damit gibt es derzeit im Bundesgebiet so wenige Apotheken wie zuletzt im Jahr 1988. Damals hatten in Westdeutschland und der DDR zusammen noch 19.781 Apotheken geöffnet.

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Die neuen Rahmenbedingungen machen den alteingesessenen Apothekern offenbar schwer zu schaffen: Vor allem selbstständige Apothekeninhaber geben nach Angaben der Bundesvereinigung derzeit auf. Selbst ein leichter Zuwachs bei den Filialbetrieben kann diesen Trend nicht aufhalten: Seit Jahresbeginn haben nur 66 solcher Zweigstellen eröffnet.

Limits für Apotheker

In Deutschland gilt das sogenannte Fremd- und Mehrbesitzverbot, das es Apothekern erlaubt, neben ihrer Hauptapotheke maximal drei Filialen in enger räumlicher Nähe zu betreiben, für die sie die volle fachliche und wirtschaftliche Verantwortung tragen. Heute seien in Deutschland weniger als 15.400 selbstständige Apotheker übrig, heißt es beim Bundesverband.

"Es tut weh, wenn selbstständige Apotheker entweder wirtschaftlich dazu gezwungen sind oder einfach keine pharmazeutische Perspektive mehr sehen", sagt Abda-Präsident Friedemann Schmidt. "Dieser Verlust an selbstständigen Apothekern schmerzt deshalb besonders, weil Freiberuflichkeit und Gemeinwohlpflicht untrennbar miteinander verbunden sind."

Neue Rivalen im Internet

Als einen weiteren Grund für den Rückgang nennen die Verbände die steigende Konkurrenz durch ausländische Versandhändler. Nach einem Entscheid des Europäischen Gerichtshofs im Oktober 2016 müssen sich die Händler nicht an die in Deutschland geltenden einheitlichen Preise für rezeptpflichtige Medikamente halten.

Damit können Kunden Medikamente online teilweise deutlich günstiger beziehen. Allerdings entgeht ihnen dabei die persönliche Beratung durch einen umfassend ausgebildeten Apotheker ihres Vertrauens. Um das Apothekensterben aufzuhalten, fordert Schmidt "direkt nach der Bundestagswahl ein Gesetz, das wieder einheitliche Preise bei verschreibungspflichtigen Medikamenten herstellt". Möglich sei das nur über ein "Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln".

Quelle: n-tv.de , mmo/dpa

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