Sonntag, 20. Juni 2021

Delta "ernst zu nehmende Gefahr" Ifo-Chef warnt vor "hartem Herbst"

Ifo-Chef Clemens Fuest hält die Krise noch nicht für abgehakt.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Angesichts der steigenden Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus warnt Ifo-Chef Fuest vor neuen Risiken für die Konjunkturerholung. Besonders die Bereiche, die bereits stark unter Corona gelitten hätten, wären erneut betroffen. Auch an die neue Bunderegierung richtet der Ökonom einen Appell.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo hat vor einem Rückschlag bei der Konjunkturerholung gewarnt, falls die Corona-Infektionszahlen wegen der neuen Delta-Variante wieder steigen. "Die Delta-Variante ist eine ernst zu nehmende Gefahr für die deutsche Wirtschaft", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest dem Nachrichtenportal t-online in einem Interview.

Zwar wäre nicht alles verloren, wenn durch die Variante die Inzidenzen wieder anstiegen, fügte Fuest hinzu. Die Erholung würde sich aber verzögern. Besonders die Bereiche, die bereits stark unter der Pandemie gelitten hätten, wären erneut betroffen, also die Reisebranche, Restaurants oder der Handel. "Dann stünde uns ein harter Herbst bevor."

Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts für die erste Juniwoche hat sich der Anteil der Delta-Variante in Deutschland innerhalb einer Woche auf sechs Prozent fast verdoppelt. In Großbritannien hat die ansteckendere Variante die Vorherrschaft übernommen - obwohl die Impfungen dort viel weiter als in Deutschland fortgeschritten sind. Wegen steigender Inzidenzen wurden dort Lockerungen gestoppt.

Fuest: "Folgen werden wir noch lange spüren"

Allgemein hält Fuest die Krise noch nicht für abgehakt. Ohne die Pandemie wäre die Wirtschaft in den vergangenen eineinhalb Jahren gewachsen, sagte er. "Stattdessen haben wir in dieser Zeit einen enormen Schuldenberg angehäuft. Die Auswirkungen der Krise werden wir noch lange spüren."

Zugleich mahnte Fuest, dass die nächste Bundesregierung das Wachstum der Wirtschaft nicht durch höhere Steuern gefährden dürfe. "Wenn es zu Steuererhöhungen kommt, wie manche Parteien es sich wünschen, wird das Wachstum abgewürgt." Allein die Einführung einer Vermögenssteuer würde die Belastungen für Betriebe stark verschärfen.

Die Ökonomen des Münchner Institutes hatten zuletzt ihre Wachstumsprognose für Deutschland für dieses Jahr auf 3,3 Prozent gekürzt - vor allem wegen Engpässen bei der Lieferung von Vorprodukten wie Chips für die Autoindustrie. Das Vorkrisenniveau könnte die Wirtschaft nach Einschätzung der Ifo-Experten Anfang des kommenden Jahres erreichen. Sie sind damit pessimistischer als Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der zuletzt ein Plus von bis zu 4,0 Prozent in Aussicht gestellt hatte.

Quelle: ntv.de , ddi/dpa/rts

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