Wirtschaft
20.08.2019

Alles eine Frage der Qualität Mehr Mängel bei Großbauprojekten

Die Allianz Industriesparte AGCS hat für ihre Qualitätsmängel-Studie weltweit 13.600 Versicherungsfälle der vergangenen fünf Jahre analysiert.

(Foto: picture alliance / Britta Peders)

Die Allianz Industriesparte AGCS hat für ihre Qualitätsmängel-Studie weltweit 13.600 Versicherungsfälle der vergangenen fünf Jahre analysiert.

(Foto: picture alliance / Britta Peders)

Die Versicherungsbranche sieht sich enormen Risiken ausgesetzt. Der Grund: Bauprojekte werden immer größer und dauern immer länger. Wenn dann auch noch eine ausländische Firma beteiligt ist oder die Qualität nur unzureichend begutachtet wird, kann es teuer werden.

Defekte Produkte und Qualitätsmängel sind nach einer Studie der Allianz die wichtigsten Gründe für die steigende Zahl von Schäden bei großen Bauprojekten in Deutschland. 22 Prozent der Schadenfälle und sogar 30 Prozent der Schadensumme entfallen auf kaputte Bauteile und Qualitätsmängel, wie aus einer Analyse der Allianz-Industriesparte AGCS hervorgeht. So habe fehlerhaftes Schweißen einige größere Schäden im Kraftwerksbau verursacht. Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) hat weltweit 13.600 Versicherungsfälle der vergangenen fünf Jahre analysiert, davon gut 2500 bei deutschen Kunden.

"Wir sehen eine Zunahme an Schäden im Zusammenhang mit Mängeln und unzureichender Qualitätskontrolle auf breiter Front", sagt Martin Eckel, globaler Schadenregulierer bei AGCS. Dazu komme, dass am Bau von Flughäfen oder Kraftwerken heute in der Regel Firmen aus der ganzen Welt beteiligt seien. Bis eine defekte Turbine aus China repariert sei, könne es gut und gerne 18 Monate dauern. Der Brandschutz ist in Deutschland besser organisiert. Während Feuer und Explosionen weltweit 27 Prozent der gemeldeten Schäden bei Großprojekten ausmachen, sind es bei deutschen Auftraggebern nur fünf Prozent.

Damm in Kolumbien sprengt Budget

Die Risiken für die Versicherungsbranche wachsen, weil die Projekte selbst immer größer werden und länger dauern. "Infolge dessen sind die Versicherungssummen jetzt viel größer", sagt Robert Maurer, der bei AGCS in Zentral- und Osteuropa für den Bau zuständig ist. "Projekte mit einem Wert von vier bis neun Milliarden Euro sind keine Seltenheit, Schäden in dreistelliger Millionenhöhe sind deshalb nicht auszuschließen."

2018 wurde ein Damm für ein Wasserkraftwerk in Kolumbien im Bau überschwemmt - für die Versicherungsbranche war das mit umgerechnet rund 1,25 Milliarden Euro einer der größten Bauschäden der Geschichte. Je länger sich ein Bauprojekt hinzieht, desto öfter durchkreuzten politische Risiken wie Sanktionen oder Handelskriege die Pläne, erklärte AGCS.

Auch die Schadensummen durch eine verzögerte Inbetriebnahme der Projekte steigen dadurch. Bis zu 500.000 Euro pro Tag seien es heute, vor zehn Jahren waren es 200.000 Euro. Im Extremfall machten Kunden bis zu 1,8 Milliarden Euro Schäden geltend, weil etwa ein Flughafen später in Betrieb geht als geplant.

Quelle: n-tv.de , bad/rts/dpa

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