Mittwoch, 05. Mai 2021

Studie zu Astrazeneca-Wirkstoff Thrombose-Risiko auch bei älteren Frauen erhöht

Die Rate von Thrombosen nach einer Astrazeneca mehr als dreimal erhöht. Die Ereignisse sind der Studie zufolge aber sehr selten.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Wirkstoff von Astrazeneca derzeit nur für über 60-Jährige. Grund sind Fälle von Blutgerinnseln, die vor allem bei jüngeren Frauen aufgetreten sind. Eine deutsche Studie von Neurologen zeigt nun: Auch ältere Frauen sind betroffen. Diese Ereignisse seien aber sehr selten.

Nach Thrombose-Fällen im Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung gilt die Empfehlung, Menschen unter 60 Jahren nicht mit dem Wirkstoff des britisch-schwedischen Herstellers zu impfen. Einer aktuellen Studie unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zufolge gibt es jedoch auch Hinweise darauf, dass das Risiko von Hirnvenenthrombosen auch bei Frauen erhöht ist, die 60 Jahre oder älter sind.

Wie der "Spiegel" berichtet, wurde die Studie noch nicht von anderen Forschenden begutachtet, sondern als sogenanntes Preprint veröffentlicht. Der Auswertung zufolge, für die neurologische Abteilungen und Kliniken in ganz Deutschland befragt wurden, war die Rate von Hirnvenenthrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung mehr als neunmal höher als nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff wie von Biontech oder Moderna.

Bei Frauen war die Rate im Vergleich zu der bei Männern mehr als dreimal erhöht. Die Ereignisse sind der Studie zufolge aber sehr selten. Die Kliniken meldeten insgesamt 45 Fälle von Hirnvenenthrombosen, die sich innerhalb von 31 Tagen nach einer Impfung ereigneten. Dazu kamen 17 Fälle, in denen Betroffene unter anderem Schlaganfälle oder Hirnblutungen erlitten.

Die Autoren der Studie hoffen nach Angaben des "Spiegel", dass sich das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut und die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Arbeit zeitnah ansehen. "Die Daten zeigen, dass auch ältere Frauen ein erhöhtes Risiko einer Hirnvenenthrombose nach Gabe des Astrazeneca-Vakzins haben. Ob dies zu einer Änderung der Impf-Empfehlungen führt, sollte mit den vorliegenden Daten in einer Risiko-Nutzen-Analyse schnell bewertet werden", sagte Tobias Kurth, Direktor des Instituts für Public Health an der Charité-Universitätsmedizin, der die Daten ausgewertet hat, dem Magazin.

Derzeit empfiehlt die STIKO den Impfstoff von Astrazeneca in Deutschland für über 60-Jährige. Jüngere können sich nach Rücksprache mit einem Arzt aber auch für das Vakzin entscheiden.

In einer ersten Reaktion teilte STIKO-Mitglied Rüdiger von Kries dem "Spiegel" mit, dass aus seiner Sicht die erhobenen Studien-Daten nicht für den Beleg eines höheren Risikos älterer Frauen ausreichten. Demnach seien nur sehr wenige Fälle in der Altersgruppe über 60 ausgewertet worden, wird von Kries zitiert. "Wir sehen, dass die Meldungen von Hirnvenenthrombosen und anderer Thrombosen nach Astrazeneca-Impfung stark zurückgegangen sind, seit wir die Altersempfehlung geändert haben. Würde es vermehrt Fälle bei über 60-jährigen Frauen geben, müssten wir die sehen." Eine Änderung der STIKO-Empfehlung komme auf Basis der Studie daher momentan nicht infrage.

Quelle: ntv.de , chf

*Datenschutz