"Kein Bedauern"

Tuchel übernimmt "Verantwortung" für fieses WM-Aus

David BeduerftigVon David Bedürftig, Atlanta
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Thomas Tuchel musste gegen Argentinien leiden. (Foto: IMAGO/EPA)
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16.07.2026 | 00:46 Uhr
Thomas Tuchel zeigt sich nach dem dramatischen WM-Aus gegen Argentinien bitterlich enttäuscht: "Wir waren so nah dran", klagt der deutsche Trainer. Doch an seinen Wechsel-Entscheidungen nach der eigenen Führung will er nicht rütteln.

Argentinien spielt England im WM-Halbfinale nach der 55. Minute an die Wand. Die Three Lions werden immer heftiger im eigenen Strafraum eingeschnürt, kommen überhaupt nicht mehr an den Ball - und dennoch wechselt Thomas Tuchel keine Offensivkraft ein, um für Entlastung zu sorgen. Am Ende scheidet England nach einem unfassbar bitteren 1:2 aus - und der deutsche Trainer muss sich vor den für ihre Kritik bekannten englischen Medien erklären.

Gleich nach dem Spiel muss Tuchel vor die Mikrofone. "Natürlich wollten wir ein zweites Tor erzielen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ein offensiver Wechsel helfen würde", erklärt er gegenüber der BBC. "Wir blieben bei unserem 4-4-2, wurden aber immer passiver, konnten keine Bälle gewinnen und den Ball nicht halten, daher glaube ich nicht, dass es ein strukturelles Problem war."

In der 72. wechselt Tuchel Torschütze Anthony Gordon gegen Rechtsverteidiger Ezri Konsa aus. Ein klarer Fingerzeig in Richtung Defensive. Zehn Minuten später, nur 180 Sekunden vor dem Ausgleich, unternimmt der Deutsche einen Doppelwechsel: Aber mit Nico O'Reilly und Dan Burn wird ebenfalls nur Defensive mit Defensive ausgetauscht und sogar ein fünfter Verteidiger gebracht. "Wir haben uns für eine Fünferkette entschieden, weil die Lücken viel zu groß waren, sie jeden Kopfball gewonnen haben und immer wieder Flanken geschlagen haben", erklärt Tuchel.

"Mit einer Million Trainern diskutieren"

Der deutsche Trainer ist ein Perfektionist, der an sich und seine Teams stets die höchsten der hohen Ansprüche hat. Mit Borussia Dortmund gewann er den DFB-Pokal, mit dem FC Chelsea die Champions League und wurde zum FIFA-Welttrainer des Jahres gewählt. Deshalb wurmt den Erfolgsbesessenen diese Niederlage vielleicht noch mehr als die Spieler. Tuchel trägt den Spitznamen "Professor", weil er bei der Taktik unglaublich detailliert und analytisch arbeitet. Doch mit seiner Vorgehensweise, die auch im menschlichen sehr kalkulierend ist, eckte er in seiner Karriere bereits mehrmals an.

"Wir haben nach dem Tor nichts geändert, aber das Spiel hat sich komplett gewandelt", sagt Tuchel nun weiter. "Man kann das mit einer Million Trainern diskutieren. Ich muss auf dem Platz eine Entscheidung treffen, so habe ich das Spiel analysiert und so bin ich vorgegangen." Und der ehemalige Bayern-Trainer stellt sich schließlich auch noch vor die Mannschaft und sagt über das bittere Aus: "Ich übernehme die Verantwortung."

Am Vortag hatte Tuchel noch die verbrüderte Mannschaft und den unglaublichen Teamgeist der Three Lions gelobt. Wirkte regelrecht verliebt in seine Jungs, von denen er gelernt habe, dass es im Fußball schlichtweg um "Zusammenhalt" geht. Auch nach der bitterbösen Pleite erklärt er: "Im Moment gibt es nichts zu bereuen [...] Wir haben eines unserer besseren Spiele gezeigt, vielleicht sogar unser bestes unter den gegebenen Umständen. Die Mannschaft war top, aber wir konnten es nicht über die Ziellinie bringen."

"Jetzt nicht das Turnier analysieren"

Beim US-Sender Fox lobt Tuchel dann noch einmal seine Jungs: "Wir haben in großer Höhe gespielt. Wir haben mit zehn Mann gespielt. Wir haben bei großer Hitze gespielt. Wir haben jedes Hindernis überwunden", so der 52-Jährige. "Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, das gesamte Turnier zu analysieren. Wir sind einfach ausgeschieden, weil wir ein entscheidendes Spiel verloren haben."

Wie so oft in den vergangenen Jahren scheitert die englische Nationalmannschaft kurz vor dem Ziel. "Wir sind enttäuscht, wir waren so nah dran", gibt Tuchel zu. Jetzt muss der englische Verband entscheiden, ob diese WM mit dem deutschen Coach ein Erfolg war - oder ob nach 18 Monaten schon Schluss ist mit Tuchels Engagement bei den Three Lions. Die Kritik am Trainer wird nur langsam abebben. "Ich glaube, das gehört einfach dazu", gibt er auf der Pressekonferenz selbst zu. "Sobald man verliert, wird man kritisiert. So ist es nun mal."

Verwendete Quelle: ntv.de