Donnerstag, 07. Oktober 2021

Der beste Streich aller Zeiten Die logische Sensation des SC Freiburg

Überrascht vom Erfolg?

(Foto: imago images/Andreas Gora)

Der SC Freiburg ist wieder einmal ein Phänomen. Die Mannschaft von Trainer Christian Streich spielt bislang eine erstaunliche Saison. Und wohl nie zuvor ist dem Coach auf so bemerkenswerte Weise gelungen, seine Spieler besser zu machen. Allzu großen Träumen wird aber ein Riegel vorgeschoben.

Die Schützlinge von Christian Streich sind derzeit so gut, dass sogar ihre Testspiele live im TV gezeigt werden. Wenn der SC Freiburg zur Einweihung seines neuen Stadions (18.15 Uhr) den FC St. Pauli empfängt, ist Sport1 mit von der Partie. Vor der Kamera wird dann auch Volker Finke stehen. Denn es muss schon die Klubikone sein, die den Höhenflug des Fußball-Bundesligisten erklärt. Dass dabei der Name Streich fallen wird, darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Schließlich gilt der Kulttrainer, der im Januar zehn Jahre im Amt sein wird, noch viel mehr als sein Vorgänger Finke zu dessen Zeit als Vater des Breisgauer Erfolgs. Nicht wenige sehen in dem 56-Jährigen den besten Coach der Eliteklasse.

Dass Streich die große Fähigkeit besitzt, seine Profis besser zu machen, zeigt sich in dieser Saison wie nie zuvor. Der SC ist als einziger Bundesligist nach sieben Spieltagen noch ungeschlagen - selbstverständlich ein Klubrekord. Zudem haben die Freiburger auf Platz vier nur einen Punkt Rückstand auf den Spitzenreiter Bayern München. Diese Zwischenbilanz, die die Fans von der ersten Europacup-Teilnahme seit der Spielzeit 2013/14 träumen lässt, ist kein Zufall. Denn der SC musste im Gegensatz zu den vergangenen Jahren keinen personellen Aderlass im Sommer verkraften, Baptiste Santamaria ist als einziger Leistungsträger abgewandert. Entsprechend eingespielt agiert die Mannschaft.

Dazu kommt eine noch nie dagewesene Tiefe des Kaders. Dass Nils Petersen, Roland Sallai oder Ermedin Demirovic zuletzt von der Bank kamen und entscheidenden Einfluss auf die Partien nahmen, sagt alles. Augenfällig ist zudem die Topform der Leistungsträger wie Christian Günter, Nicolas Höfler und Vincenzo Grifo in Kombination mit starken Vorstellungen aufstrebender Profis wie Nico Schlotterbeck oder Torwart Mark Flekken, die das Potenzial für große Karrieren haben. Wenn Streich derzeit über die Stärken seines Teams spricht, hört sich das allerdings so an: "Die Mannschaft zeigt sich sehr stabil." Die Zurückhaltung des Trainers hat natürlich seine Gründe. Streich möchte einerseits verhindern, dass seine Profis abheben. Zudem will der Coach keine zusätzliche Aufmerksamkeit generieren, die Begehrlichkeiten wecken könnte.

"Sie hören von mir immer das Gleiche"

Und dann ist da noch dieser fast schon abergläubische Zweckpessimismus, der in Streich steckt. "Sie hören von mir immer das Gleiche. Ich weiß, wo wir hingehören. Es gibt gute Phasen - und es werden andere Phasen kommen", sagte der Coach zuletzt immer wieder: "Ich freue mich, dass es so gut läuft. Aber ich bereite mich auch darauf vor, dass es wieder nicht so gut läuft." Sorge bereitet Streich vor allem der Beginn der neuen Ära. Schließlich haben die Freiburger das Unikat Dreisamstadion nach 67 Jahren verlassen. Die neue Arena mit 34.700 Plätzen im Nordwesten der Stadt erlebt am 16. Oktober gegen RB Leipzig ihr erstes Ligaspiel. Nach 25 Jahren im Verein fürchtet Streich allzu ehrgeizige Pläne und eine übersteigerte Erwartungshaltung, die die Grundlage des bisherigen Erfolgs gefährden könnten.

"Entscheidend wird sein, wenn wir rübergehen ins neue Stadion, ob wir die Demut mitnehmen können", sagte Streich: "Ob die Zuschauer und wir, ob wir dann weiter zusammenstehen und diesen Spirit leben, auch wenn schwere Zeiten kommen - und die werden kommen. Das beschäftigt mich." Viel mehr als der Tabellenplatz und eine Europacup-Teilnahme.

Quelle: ntv.de , Klaus Bergmann und Arne Richter, dpa

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