Klopp lernt noch immer

Unglaublicher FC Bayern sprengt die Gesetze des Fußballs

imageVon Ben Redelings
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Was Harry Kane macht, wird gut. (Foto: IMAGO/Sven Simon)
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26.10.2026 | 13:24 Uhr
Auch ohne ihren Trainer Vincent Kompany zelebriert der FC Bayern beim SC Freiburg seinen außergewöhnlichen Fußball. Jürgen Klopp wird wieder einmal fasziniert zugeschaut haben. Denn besonders eine Szene ist vogelwild.

"Einmal haben wir in der Champions League bei Arsenal London gespielt, die haben da richtig Dampf gemacht. Und plötzlich rauscht Jens Jeremies dem Patrick Vieira im Mittelfeld in die Beine, aber wie! Die beiden stehen wieder auf, da geht Jerry zu ihm hin und zeigt mit seinem Arm auf die Mittellinie. "Siehst Du die Mittellinie? Kommst du drüber, macht es aua! Hier drüben aua, da drüben gut!" Mehmet Scholl erzählte vor vielen Jahren einmal mit leuchtenden Augen diese wunderbare Geschichte über seinen robusten Mitspieler beim FC Bayern München, Jens Jeremies. Es ist eine Anekdote aus einer anderen Fußballzeit. Einer Zeit, als die Regeln des Fußballs auch in München noch komplett andere waren.

Am Sonntagabend gab es in Freiburg in der ersten Halbzeit eine Szene, die es so früher nie gegeben hätte. Völlig ausgeschlossen! Es war ein Moment, der selbst eingefleischte Fußballfans und Anhänger des FC Bayern noch immer in Verwunderung versetzt. Denn plötzlich stand ganz hinten links ein Mann beim FC Bayern München, der in früheren Zeiten dort niemals aufgetaucht wäre. Seitlich hinter diesem Spieler des Rekordmeisters war nur noch Torwart Jonas Urbig zu finden. Bayerns Stürmer Harry Kane hatte sich tatsächlich so weit nach hinten fallen lassen, dass das komplette Spiel vor ihm lag. Nur wenige Augenblicke später stand der englische Nationalspieler bereits wieder vor dem Sechzehner der Freiburger und bot sich als Anspielstation an.

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So geht der FC Bayern mit der schlimmen Woche um

Was der FC Bayern München momentan auf den Platz bringt, sorgt bekanntermaßen auch auf allerhöchster Ebene, wie wir seit dem Champions League Abend letzte Woche gegen den FC Arsenal wissen, für Verwunderung. Jürgen Klopps Worte ("Sie haben gesagt: Harry Kane ist heute überall. Das finde ich mit Ball in Ordnung, aber gegen den Ball … Wenn ich Harry Kane in der letzten Linie sehe, und zwar nicht im tiefen Block, sondern im Mittelfeld-Pressing - das ist einfach für mich … Und noch mal, ich bin nicht Papst des Fußballs, alle dürfen machen, was sie wollen. Aber abschließend dahintergestiegen bin ich auch nicht") wirbelten viel medialen Staub auf - doch bei der hitzigen Diskussion im Nachgang wurde etwas Entscheidendes vernachlässigt: Die Verwunderung des Bundestrainers zeugte auch davon, dass da gerade zum wiederholten Male etwas vor seinen Augen passiert war, was die Gesetze des Fußballs sprengt.

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Harry Kane als Libero?

Max Eberl hatte unter der Woche noch gesagt, dass es "nicht der Sinn und Zweck" sei, "dass Harry dann irgendwann als Libero auftaucht" - doch genau das ist offenbar in der faszinierenden Fußballwelt des Vincent Kompany und seiner Bayern gar nicht mal so abwegig. Man könnte sogar sagen: Es ist Teil des Plans! Denn wenn selbst der Bundestrainer noch nicht "abschließend dahintergestiegen" ist und, wie er selbst sagt, "immer noch lernt", dann kann man sicher sein, dass die Gegner des Rekordmeisters mit diesem verwirrenden System ("Mal ist es hybrid, dann Mann gegen Mann, dann nicht gegen den Mann", Klopp) auch so ihre Probleme haben.

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Und genau das hat man auch beim unglaublichen Sturmlauf von Dayot Upamecano gesehen, den er selbst auf herausragende Weise schlussendlich auch noch mit seinem Tor zum 1:0 krönte. Das aktuelle Spiel und System der Bayern lässt den Akteuren auf dem Platz viele Freiräume, die sie durch eine intensive Laufarbeit selbst häufig brillant nutzen. Dass das im Endeffekt natürlich auch immer wieder Räume für den Gegner eröffnet, weil nicht stets alle Laufwege und Zuordnungen passen und die Mannschaft sich selbst in ihrem eigenen System nicht immer zurechtfindet (oder wie Jürgen Klopp es sagte: "Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht"), ist ebenfalls ein Teil der Wahrheit. Doch das nimmt nichts von der Faszination über das mutige, eigenwillige und progressive taktische Konzept des Kompany-Fußballs weg.

"Ich will mich einfach weiterbilden", hat der Bundestrainer in der letzten Woche nach dem Spiel in der Münchener Arena gemeint. Viele haben die Worte von Jürgen Klopp als Angriff auf den Bayern-Coach verstanden. Vermutlich waren die gewohnt erfrischend offenen Äußerungen des Bundestrainers aber einfach nur ehrlich. Denn das, was die Bayern momentan auf den Platz bringen, sprengt viele Gesetze des Fußballs. Ob die neue Taktik am Ende allerdings von Erfolg gekrönt sein wird, muss man abwarten. Spannend und unterhaltsam ist es aber in jedem Fall bei diesem wilden Ritt zuzuschauen.

Verwendete Quelle: ntv.de