Donnerstag, 06. Januar 2022

"Versuchen, Novak zu kreuzigen" Familie Djokovic provoziert live im TV mit Jesus-Vergleich

Die Familie hält eng zusammen.

(Foto: imago images/Aleksandar Djorovic)

Die verweigerte Einreise von Novak Djokovic nach Australien entwickelt sich zur politischen Posse. Serbiens Präsident wittert eine Verschwörung, noch eins drauf setzt jetzt die Familie des Tennisstars. Da fehlt es nicht einmal an einem Vergleich mit Jesus Christus.

Dass Novak Djokovic derzeit in Melbourne die Einreise nach Australien verweigert wurde und er nun im Quarantänehotel festsitzt, empört seine Familie aufs Äußerste. Bis Montag wird der Serbe darauf warten müssen, ob er tatsächlich abgeschoben wird - oder ob seine Anwälte das noch verhindern können. Bis Montag wollte seine Familie nicht warten, sie hat sich bereits jetzt bei einer Pressekonferenz im Restaurant "Novak" in Belgrad - es ist in Besitz von Djokovic - zu den Geschehnissen vor den Australian Open geäußert. Dabei haben vor allem sein Vater und sein Bruder heftig ausgeteilt und so manche gewagte Theorie und schrägen Vergleich präsentiert.

So verglich die Familie den Tennisstar mit Jesus Christus. Am morgigen Freitag wird in Serbien das orthodoxe Weihnachtsfest gefeiert, einen entsprechenden Vergleich lieferte Bruder Djordje Djokovic: "Jesus wurde am Kreuz gekreuzigt ... aber er lebt noch unter uns. Sie versuchen, Novak zu kreuzigen und herabzusetzen und ihn in die Knie zu zwingen."

Für die Familie ist die verweigerte Einreise ein politischer Skandal: "Er wurde wie ein Krimineller behandelt, obwohl er ein gesunder und anständiger Mann und Sportler ist, der niemanden in Gefahr gebracht und keine Straftat begangen hat", sagte Djordje Djokovic. "Es ist skandalös", urteilte Mutter Dijana Djokovic, es sei "ein rein politischer Angriff".

Djokovic war bei seiner Ankunft am Flughafen in Melbourne die Einreise verweigert worden. Den Grenzbehörden zufolge hatte der 34-Jährige ein Visum beantragt, das ihn nicht zur Einreise berechtigte - es sei eines gewesen, das keine medizinischen Ausnahmen für ungeimpfte Personen zulasse, hieß es laut "The Age" und "Sydney Morning Herald". Aufgrund genau jener ärztlichen Befreiung von der Impfpflicht hatte Djokovic allerdings seine Ausnahmegenehmigung für die Australian Open erhalten.

Bruder Djordje Djokovic behauptete: Bei dem Visum, mit dem Novak Djokovic die Einreise verweigert wurde, handle es sich "um das gleiche Dokument", wie es mehrere Tennisspieler besitzen, "die bereits in Australien sind". Dem Handeln der australischen Grenzbehörden nach kann dies jedoch nicht stimmen. Die Familie dankte den serbischen Behörden für ihren Versuch, Djokovic zu "befreien". Auch Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hatte sich wütend über die Geschehnisse geäußert: "Ich fürchte, dass diese unerbittliche politische Verfolgung von Novak so lange weitergehen wird, bis sie etwas beweisen können", sagte er: "Denn wenn man jemanden nicht besiegen kann, dann greift man zu solchen Dingen."

"Unser Novak, unser Stolz"

Zudem sprach Djordje Djokovic von der Festsetzung als "größten sportlichen und diplomatischen Skandal" und forderte gewissermaßen eine Sonderbehandlung für seinen Bruder ein: "Die Belästigung kann als schweres diplomatisches Vergehen bezeichnet werden, vor allem, wenn sie sich gegen den größten Sportler aller Zeiten richtet." Das Hotel, in dem der Tennisstar untergebracht ist, beherbergt auch abgelehnte Asylbewerber. Über dieses verlor Djordje Djokovic nur schlechte Worte: "Er wurde in ein Migrantenhotel in ein schmutziges Zimmer ohne jegliche Habseligkeiten gebracht, von denen ihm gesagt wurde, dass er sie bei seiner Rückkehr nach Europa zurückerhalten würde." Auch sein Handy sei ihm am Flughafen vorübergehend abgenommen worden.

Vater Srdjan wurde derweil pathetisch: "Unser Novak, unser Stolz. Novak ist Serbien und Serbien ist Novak", sagte er, "Sie treten Serbien mit Füßen, und damit treten sie auch das serbische Volk mit Füßen." Ihm zufolge habe es der "Führer dieses fernen Landes, Scott Morrison (Australiens Premierminister, Anm.d.Red.) gewagt, Novak anzugreifen und ihn zu vertreiben, bevor er ihr Land erreicht hatte. Sie wollten ihn in die Knie zwingen, und nicht nur ihn, sondern auch unser schönes Serbien." Morrison hatte die Entscheidung, Djokovic auszuweisen, verteidigt: "Regeln sind Regeln." Dass der Tennisstar bereits mit Corona infiziert war, reiche nicht aus, da die Infektion mehr als sechs Monate zurückliegt. Das sei auch den Turnier-Veranstaltern kommuniziert worden.

Djokovics Mutter Dijana sprach von ihrem Sohn als "Revolutionär, der die Welt verändert". Und erklärte weiter: "Ich hoffe, dass sie ihm nicht die Flügel stutzen werden, wie sie es vorhatten", sagte sie. "Wir werden ihm mit Gebeten und freundlichen Botschaften Kraft und Energie geben, damit er sich selbst treu bleibt." Der 34-Jährige streite nicht nur für sich und Serbien, sondern führe "den Kampf von sieben Milliarden Menschen auf der Welt für Rede- und Meinungsfreiheit", sagte sein Vater.

Am Montag fällt wohl die Entscheidung

Zudem rief die Familie die Öffentlichkeit zur Unterstützung auf, eine Kundgebung solle vor dem serbischen Parlament stattfinden. Djokovic wird mindestens bis Montag im Hotel festgehalten. Erst dann wird ein Richter in Melbourne entscheiden, ob er abgeschoben wird. Gegen die Ausweisung hatten Djokovics Anwälte juristisch Einspruch eingelegt. Monatelang war gerätselt worden, ob der Weltranglisten-Erste an den Australian Open teilnehmen kann, denn er gilt als Impfskeptiker, ließ alle über seinen Impfstatus im Unklaren. Die Turnier-Veranstalter aber verlangten den in Australien nötigen Status als Geimpfter oder Genesener.

Am 3. Januar hatte Djokovic seine Teilnahme mithilfe einer Ausnahmegenehmigung verkündet. Momentan befindet er sich offenbar in einer Zwickmühle: Für die Australian Open besitzt er eine Spielgenehmigung, darf das Land aber nicht betreten. Vor seinem Quarantänehotel haben sich zahlreiche Unterstützer versammelt und protestieren für den Serben.

Quelle: ntv.de , ara

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