Wenn die Kameras auf ihn gerichtet sind, fährt er seinen eigenen Film: MMA-Kämpfer Josh Hokit führt bei Pressekonferenzen Theaterstücke auf, versucht sich in Stand-up-Comedy oder schlüpft in verschiedene Alter Egos. Der ehemalige NFL-Profi fasziniert nicht nur die Massen, sondern auch den US-Präsidenten.
Allein optisch ist Hokit bereits besonders: Er trägt ein Bandana mit Stars and Stripes, eine Sonnenbrille, Fahrradhandschuhe, auf denen ein Weißkopfseeadler prangt, und einen Mantel wie ein Sith Lord aus Star Wars. Auffallen und jeden Preis ist das Motto des 28-Jährigen, doch so richtig skurril wird es erst, wenn man ihm ein Mikrofon in die Hand gibt. In Washington bekommt Hokit wie alle Kämpfer beim MMA-Event vor dem Weißen Haus einen Media Slot - 15 Minuten, nicht länger. Bei der UFC ist alles strikt durchgetaktet. Und Hokit macht das Beste aus seiner Zeit. Statt Fragen zu beantworten, verwandelt er sich zunächst in The Cholo, spricht mit mexikanischem Slang und startet ein Comedy-Programm.
Seine Witze sind flach und sorgen nur bei wenigen der Journalisten für leise Lacher. "Hartes Publikum heute", resümiert Hokit zwischendurch, ehe er weitermacht. Seine Hartnäckigkeit verleitet zumindest viele der Anwesenden zum Schmunzeln. Nach ein paar Fragen der Journalisten verfällt er in die nächste Rolle. "The Incredible Hok", eine Mischung aus Wrestlinglegende Hulk Hogan und Superheldenfigur Hulk.
Hokit redet von einem auf den anderen Moment aggressiv und trägt auswendig gelernte Reime vor. Er spricht davon, seinen kommenden Gegner Derrick Lewis von Pantomimen entführen zu lassen. Diese würden dann "unaussprechliche Dinge" mit ihm tun. "Das war der beste Witz", attestiert ihm einer der Journalisten. Hokit durchbricht wieder die vierte Wand und beginnt, den Witz zu erklären.
Trumps bizarres Käfig-Spektakel handelt ihm Ärger ein

Die Skurrilitäten kennen bei dem Schwergewicht keine Grenzen. Vor seinem letzten Kampf improvisierte er ein Theaterstück auf der Pressekonferenz, das alle Beteiligten ungläubig zurückließ. Potenziellen Gegnern, die ihm in den Hotelfluren begegnen, wirft er dumme Sprüche und Beleidigungen an den Kopf. In seinem letzten Kampf zeigte er Gegner Curtis Blaydes gleich mehrfach im Kampf den Mittelfinger.
Der Chef ist nicht begeistert
UFC-Boss Dana White ist überhaupt kein Fan von Hokits Masche. Als "albern" bezeichnete er dessen Auftreten. Es sei gar nicht sein Fall. Respekt habe White allerdings vor Kämpfern, die ihren Worten auch Taten folgen lassen. Und eben genau das kann Hokit auch. Gegen Blaydes lieferte er sich im April eine Schlacht über drei Runden. White sprach danach von einem der besten Schwergewichtskämpfe aller Zeiten.
Hokits Ansatz ist extrem, aber erfolgreich. Die Hälfte der Fans feiert die unterhaltsamen Einlagen und seine spannenden Kämpfe, die andere Hälft ist genervt und will den US-Amerikaner verlieren sehen.
Oktagon 90 in Berlin ...
... am 20. Juni ab 17.30 Uhr LIVE auf RTL+.

Sein kommender Kampf vor dem Weißen Haus ist ganz spontan entstanden. Bereits vor dem Duell zwischen Hokit und Blaydes habe sich US-Präsident Donald Trump nach Derrick Lewis erkundigt - warum er nicht auf der Veranstaltung im Weißen Haus kämpfe, fragte er den UFC-Boss. White habe umgehend Lewis angerufen und ihm das Angebot unterbreitet. Lewis nahm an. Nach Hokits beeindruckendem Kampf beauftragte White seinen Matchmaker Mick Maynard, Hokit ebenfalls die Offerte zu machen. Hokit wurde gerade in den Krankenwagen verladen, nahm ebenfalls sofort an.
"Laut Matchmaker Mick Maynard bin ich Donald Trumps neuer Lieblingskämpfer", sagte Hokit nun in Washington. Laut, direkt und ein bisschen zum Fremdschämen - alles Attribute, die der US-Präsident und der aufstrebende MMA-Star teilen. Allerdings hat die UFC Sorgen, was Hokit im Rahmen der gigantisch großen Bühne noch alles anstellen könnte. Eine erste Konsequenz gibt es bereits. Hokit und Lewis sind die einzigen beiden Kämpfer, die nicht am zeremoniellen Wiegen vor dem Lincoln Memorial teilnehmen werden.



